Die Dorfschelle
Nummer 1 - Ausgabe 1986
Das Gemeindeporträt
Beschauliches Dorf römischen Ursprungs
Das 830 Einwohner zählende Dorf Aspisheim liegt zwischen den schützenden Steilhängen der Höhen 269 und 274 am Westrand der großen tertiären Scholle am oberen rheinhessischen Quellenhorizont im südöstlichen Zipfel des Binger Landes. gegen östliche und nordöstliche Winde geschützt Unterhalb der alten Heerstraße gelegen bietet es einen weiten Blick in Hunsrück und Rheingau/Taunus. Aspisheim ist von ausgedehnten sonnigen Weinbergen umgeben. Seine Gemarkungsgröße beträgt 582 ha, davon ca. 250 ha Ackerfläche und ca. 220 ha Weinberge mit den bekannten Lagen Johannisberg und Sonnenberg in der Großlage St. Rochuskapelle. Bekannt sind die vorzüglichen Weine der Scheurebe, die auf dem hier typischen Boden besonders gut gedeihen; ähnliche Ergebnisse erzielen die Standardsorten Silvaner und Müller-Thurgau: gleiches gilt für die vielfältigen Neuzüchtungen wie Bacchus, Kerner. Huxelrebe und Faberrebe. Der ältere Dorfkern liegt entlang der Durchgangsstraße (Germaniastraße). Zwei Neubau¬gebiete sind im Westen entstanden. Aspisheim ist auf geschichtsträchtigem Boden erbaut. Die erste urkundliche Nennung als Ascmundisheim erfolgte nachweisbar anno 767, als eine Frau Rothlindis am 8. März Äcker und Weinberge dem Kloster Lorsch vermachte. Die geschichtlichen Anfänge Aspisheims liegen weit vor der ersten urkundlichen Nennung im Lorscher Codex.
Seit Jahrtausenden haben hier Menschen gewohnt. In der Aspisheimer Gemarkung wurden Steinbeile und Gefäßreste gefunden. Die weite Ebene unterhalb der Aspisheim umgebenden Berge war in der keltischen Zeit gut besiedelt. Reiche Gräberfunde zwischen Grolsheim und Sponsheim beweisen dies.
Bereits im 12. Jahrhundert war Aspisheim eine selbständige Pfarrei. Durch die Glaubensspaltung ging die Pfarrei ein, die Kirche fiel 1706 bei der pfälzischen Kircheneinteilung den Reformierten zu. Die Katholiken errichteten im 18. Jahrhundert in ihrem Schulhaus die St. Martinskapelle. Erste Hinweise auf eine Aspisheimer Schule werden auf das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts datiert. Aus dem 15. Jahrhundert ist das Gerichtssiegel von Aspisheim (eine Haspel) überliefert. Das heutige Aspisheimer Wappen zeigt neben dem alten Gerichtssiegel den kurpfälzischen Löwen. 1552 gehörte Aspisheim zu den Dörfern in der Umgebung Bingens, die sich verpflichteten, bestimmte Teile der Stadtmauer einschließlich eines Turmes zu unterhalten und der Stadt mit Kriegshilfe beizustehen. Dafür waren die Aspisheimer Bürger zollfrei von allem, was sie zu Bingen ein- und ausführten und genossen in Kriegszeiten Schutz in Bingen. Das alte Rathaus wurde 1585 erbaut und ist durch Kriegseinwirkung heute nicht mehr vorhanden. Es war in der Art der Dorfrathäuser errichtet, wie die in Appenheim und Nieder-Hilbersheim. Im Jahre 1666 forderte die Pest in Aspisheim viele Menschenopfer. Zahlreiche Dokumente aus der Zeit der Gerichtsbarkeit
Aspisheim sind bis heute erhalten geblieben, auch das Aspisheimer Weistum von 1491 (ein Weistum ist die Aufzeichnung über Rechtsgewohnheiten, Rechtsbelehrung über die Rechte und Pflichten des Ortsherren gegenüber den Untertanen und umgekehrt). Mit der Zeit nach der französischen Revolution hörte die Feudal-Herrschafft des Mittelalters in Aspisheim auf. Aspisheim gehörte zum Departement Donnersberg. Schultheiß, Schöffen und Gericht wurden abgeschafft. Zum Canton Ober-Ingelheim gehörend stand Aspisheim unter französischer Herrschaft.
Mit dem Ende der napoleonischen Herrschaft und der Neuordnung der Staaten durch den Wiener Kongress kommt die Bevölkerung des linken Rheinufers zum Großherzogtum Hessen. Es sollte auf dem Gebiete der Rechtsprechung noch 75 Jahre dauern, bis der fortschrittlichen Rechtsprechung, dem Code civil` Napoleons, der während der französischen Herrschaft auch für Aspisheim galt, mit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 eine adäquate Rechtsprechungs-grundlage folgte. Nun bestand Gleich-heit kn Rechtsleben rechts und links des Rheines.
Auch die Römerzeit hat ihre Spuren hinterlassen. Zieht sich doch die Römerstraße am Fuße der Aspisheimer Höhen von Worms über Alzey nach Bingen.
Im Jahre 1984 wurde bestätigt, was einzelne Funde vermuten ließen, zumal vor fünfzig Jahren römische Gräber bei Drainagearbeiten östlich der Straße Bingen - Wörrstadt entdeckt wurden.
Beim Bau der Kirchenmauer wurde römisches Gußmauerwerk entdeckt. Die Archäologen entdeckten das halbkreisförmige Becken eines römischen Badegebäudes, das zu einem römischen Gutsbesitz (villa rustica) gehört haben muss, der im Umkreis von etwa 100 Metern anzunehmen ist. Hier liegen sicher die Wurzeln des Aspisheimer Weinbaues.
Aus der Frankenzeit gibt es Besiedlungshinweise. So lag der Kern der fränkischen Sied¬lung Aspisheim um die Mar¬tinskirche, die zum staatlichen Fronhof gehörte. So lag der Keim der fränkischen Siedlung Aspisheim um die Martinskirche, die zum staatlichen Fronhof gehörte. Es war wohl ein Ascmund, der sein Heim nach seinem Namen nannte, Heim des Ascmund = Ascmundisheim. Südlich des Dorfes wurden auf der erhöhten Terrasse Frankengräber gefunden. Der Friedhof fällt in die Zeit der fränkischen Landnahme zwischen 500 und 600 n. Christi. Mit der urkundlichen Nennung 767 n. Christi tritt Aspisheim aus seinem anonymen Dasein.
Die folgenden Jahrhunderte kennen weitere Besitzungen des Klosters Lorsch in Ascmundesheim.
Mit der Neuordnung der Bundesländer 1947 gehört das Dorf Aspisheim zu Rheinland-Pfalz; innerhalb des Landkreises Mainz-Bingen wurde es der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen zugeordnet, obwohl nahezu alle Aspisheimer Bürger vor der Gemeindereform des Jahres 1972 eine Zuordnung zur Stadt Bingen - wie die heutige Gemeinde Bingen-Dromersheim - anstrebten.
Die Geschichte Aspisheims zeigt den vielfältigen Einfluss der europäischen Rassen. Kelten und Römer als die Vorfahren; die Franken als die Gewinner der Völkerwanderung und die Vorbereiter des späteren Reiches Karl des Großen, das für 1000 Jahre die europäische Politik bestimmte. Nicht zuletzt sorgten diese auch für den Fortbestand der Rebkulturen, der heutigen Existenzgrundlage vieler Einwohner Aspisheims.
Aspisheim verzeichnet heute auf kulturellem Gebiet den Turnverein 1861, den Carnevalverein, den Männergesangverein 1875, die freiwillige Feuerwehr, den Landfrauenverein und den Bauernverein.
Um die Geschichte, die Brauchtümer und Ereignisse Aspisheims für die Zukunft zu sichern und zu bewahren, beabsichtigen viele Bürger einen Verein zu gründen, der dies sicherstellen soll.
Am jeweils vorletzten Wochenende im August findet das Weinfest; als Rothes (Rathaus) fest - mit einer festlichen Weinprobe der Winzer am vorhergehenden Freitag - statt.
Klaus Grundstein
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