Die Dorfschelle
Nummer 2 - Ausgabe Anfang 1986
Erinnern Sie sich?

Abschrift des Originaltext:
Trinkt deutschen Wein!
Der deutsche Weinbau und Weinhandel, einst starke Stützen
und Träger einer gesunden deutschen Wirtschaft, leiden heute
bittere Not.
Der alteingesessene Winzerstand und mit ihm der gediegene
Weinhandel kämpfen mit ihrer letzten finanziellen und moralischen
Kraft, um den drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch zu
verhüten.
Die Länder und das Reich suchen der Not zu steuern durch
die Bereitstellung von Mitteln für Unterstützung und Kredite,
die Volksvertreter erwägen, auf dem Wege der Gesetzgebung
Hilfe zu bringen.
Wird dadurch eine heilbringende Wendung kommen?
Nur dann, wenn das deutsche Volk sich darauf besinnt, daß es
bei der Ueberwindung des Notstandes mithelfen kann und muß!
In den Kellern der Winzer und Weinhandlungen lagern
große Mengen pfälzischen Weins jeder Güte und Preislage und
harren der Abnehmer, die für Winzer und Weinhändler Rettung
bringen können. Wendet Euch ab von den ausländischen
Weinen, dieden deutschen Markt überfluten und die an Güte
mit dem heimischen Produkten sich nicht messen können! Wer
deutschen Wein trinkt, nützt nicht nur sich selbst, sondern hilft, den
deutschen Winzerstand erhalten. Jeder Deutsche hat die vaterländische
Pflicht, an der Erhaltung unserer Wirtschaft mitzuarbeiten.
Unendlich viel hat die weinbautreibende Westmark in dem
letzten Jahrzehnt ihres Deutschtums wegen erduldet.
Insbesondere die hart bedrängte Pfälzer Winzer haben
tapfer den deutschen Gedanken verteidigt und dem unbesetzten
Deutschland die Treue gehalten.
Darum, Deutsche aller Gauen, gedenkt des um sein Dasein
ringenden Weinbaugebietes, trinkt deutschen Wein und haltet
deutsche Treue!
Speyer, den 18. März 1926.
Dr. Mathéus, Regierungspräsident. |