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Die Dorfschelle
Nummer 3 - Ausgabe Dezember 1986
Versuch einer Deutung
Vor einiger Zeit, wurde an einem Winzerhaus in der Kirchstraße
ein Teil des Fachwerks freigelegt. Dabei kam ein Eckbalken zum
Vorschein, der mit verschiedenen geschnitzten Abbildungen versehen
ist.
Ich will nun versuchen, diese Symbole zu deuten.
Wie wir wissen, taten unsere Vorfahren
nichts ohne tieferen Sinn. So haben auch
solche geschnitzten Abbildungen ihre
Bedeutung.
Im oberen Teil des Balkens erkennen wir
einen Bockskopf. Dieses Zeichen soll nach
altem Volksglauben die Sippe vor bösen
Mächten schützen.
Unter dem Bockskopf sehen wir einen Menschenkopf
mit einer Blume vorm Mund.
Dieses Symbol soll das Haus vor dem bösen
Blick und allen bösen Mächten schützen.
Die Blume vorm Mund, erinnert mich an die
Schweigerose des Mittelalters. So soll diese
Blume vorm Mund das Haus vor übeler Nachrede
schützen.
Im mittleren Teil des Balkens erkennen wir
eine große Blumenrosette. Diese soll das
Sonnenrad symbolisieren. Als Zeichen für
Gedeihen im Leben, Glück in allen Dingen,
Fruchtbarkeit, Licht, Leben, Wechsel der
Jahreszeiten.
Am unteren Ende des Balkens erkennen wir
bei genauem betrachten, einen Frosch.
Der Frosch soll den Menschen an seine
Sündhaftigkeit und Hinfälligkeit erinnern.
Wie gesagt, ein Versuch diese Zeichen zu deuten...
Jedenfalls sollte man sich diesen Balken einmal in
Ruhe ansehen.
Pirmin H. Sutter
Quellen: Physiologus. Naturkunde in Frühchristlicher Deutung,
Lexikon der Symbole, Deutsches Bauerntum. |