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Die Dorfschelle
Nummer 3 - Ausgabe Dezember 1986
Über das Wappenwesen
In der letzten Ausgabe der "Dorfschelle" wurde das neue
Aspisheimer Wappen vorgestellt und beschrieben.
Diese Zeilen haben mich ermuntert, ein wenig über das Wappenwesen
zu schreiben.
Gerade in Weinbaugemeinden findet man reichlich Wappendarstellungen,
sei es auf Weinetikette oder auf Häuserwänden.
Nicht immer entsprechen diese Wappen der heraldischen Regel
und Kunst. Was, meiner Meinung, sehr bedauerlich ist.
Wenn ich bedenke, wieviel Geld für solche seltsamen unheraldischen
Wappenzeichnungen und Drucke (Etikette - Briefköpfe usw.)
ausgegeben werden.
Geschichte
Der Wortstamm des Begriffes Wappen ist von dem althochdeutschen
Wort-wafen (Waffen) abgeleitet. Da dieses Symbol zuerst als
Zierde und Erkennungszeichen der mittelalterlichen Ritter an
deren Schutzwaffen, dem Schild, angebracht waren.
Der genaue Zeitpunkt der Entstehung der Wappen ist noch ungeklärt.
Wahrscheinlich ging sie in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts
von Nordfrankreich aus.
Das europäische Wappenwesen ist eine mittelalterliche Kulturerscheinung,
die aus dem Bedürfnis heraus entstanden ist, die damals
schwergepanzerten Ritter bei geschlossenem Visir zu erkennen.
Wesentliche Impulse dürfte das Wappenwesen durch die Kreuzzüge
empfangen haben.
Wappen wurde -so ist es auch heute noch- in den meisten Fällen
eigenmächtig angenommen. Erst in späterer Zeit versuchten die
Landesherrn, Wappen gegen Gebühr zu verleihen.
Wappen in die Form der mittelalterlichen Schutzwaffen, Helm
und Schild, gebracht, nach bestimmten Grundsätzen und Regeln
verfertigte erbliche Bilder, die von Personan, Familien,
Städten und Gemeinden sowie Körperschaften als bleibende Abzeichen
geführt werden.
Die Wappenführung der Gemeinden begann zu Anfang des 13. Jahrhunderts
mit den Wappen der Städte.
Die meisten überlieferten Ortswappen sind aus Siegel entstanden,
die kurzerhand durch Unterbringung in einem Schild zu Wappen
wurden. So wurde die Wappenführung bei den Städten und vielfach
auch Marktflecken zur Regel; hingegen blieb sie für nicht-städtische
Gemeinden in Deutschland, bis in das letzte Jahrhundert,
eine große Seltenheit.
Erst nach dem ersten Weltkrieg dehnte sich die Einführung dieser
Wappen schnell aus. Heute billigen die deutsche Gemeindeordnung
sämtlichen Gemeinden das Recht zur Wappenführung zu.
Wappenkunst
Wappenkunst ist die heraldische richtige Gestaltung des Wappens
und Wappenteile.
Das Wappen besteht aus: Schild, Schildfigur, Helmdecke, Helm,
Wulst, und Kleinod.
Das Schild enthält das Familiensymbol.
Der Helm trägt das Kleinod als
Persönlichkeitszeichen.
Die Helmdecke zeigt die Familienfarben.
Laubkrone und Wülste sind zumeist
ohne Bedeutung, sie verdecken nur
zierend schlechte Übergänge von Helmkleinod
zum Helm.
Die gebrauchten Farben in der Heraldik:
Metall: Gold-Gelb und Silber-Weiß.
Farben: Rot, Blau, Schwarz, Braun, Purpur, Grün und Naturfarben.
In der Wappenkunst soll immer Farben auf Metall (Gold-Silber), niemals
Farbe auf Farbe oder Metall auf Metall verwandt werden.
Die Neuannahme eines Wappens
Es ist auch in unserer Zeit nicht unsinnig, ein Wappen zu
führen. Die Neuannahme ist seit alter Zeit gebräuchlich.
Das neue Wappen soll möglichst einfache redende Wappenbilder
enthalten, Einfachheit und Klarheit sind in der Wahl der Symbole
und Farben zu beachten.
Wenn man ein Familienwappen neu annehmen will, sollte man sich mit
einem Fachmann in Verbindung setzen, und beraten lassen.
Das neue Wappen sollte in die Deutsche Wappenrolle-Berlin
eingetragen werden, die auch einen Wappenbrief ausstellt.
Natürlich kann man bei der Fülle an Material nicht alles
aufnehmen, in solch einem kurzen Artikel, vieles bleibt unangesprochen.
P. H. Sutter
Quellen: Wappenfibel, Deutsche Wappenkunst, Lexikon der Heraldik,
Das Bürgerwappen. |