Die Dorfschelle
Nummer 4 - Ausgabe April 1987
Die Sonne bringt es an den Tag
Recherchiert und aufgeschrieben von Gerfried Hepp sen.
Mitte der fünfziger Jahre half ich meinem Onkel Johann Mörbel beim
Roden eines Weinberggrundstücks im Falg. Wir hatten noch zwei
Graben bis zum Ende, als wir beim Aushub des zweiten Stiches auf
sehr dunkel gefärbten Boden trafen. Vorsichtig gruben wir etwas
tiefer und fanden Knochen, die von einem Menschen stammen mußten.
Beim Weitersuchen legten wir ein Skelett frei, das - auf der rechten
Seite liegend - vermuten ließ, daß dieser Mensch - wer immer es
auch gewesen sein mag - keines natürlichen Todes gestorben war.
Als wir den Schädel vorsichtig aufnahmen, konnten wir feststellen,
daß dieser auf der rechten Seite zum Teil zertrümmert war. Ich meldete
den Fund auf der Bürgermeisterei.
Einige Zeit später erhielt ich auf meine Nachfrage die Antwort,
daß es sich wohl um eine Sache handele, die - nach dem Zustand
des Skeletts zu schließen - schon lange zurückliegen müsse und in
den Akten davon nichts zu finden sei.
Mir ließ die Sache jedoch keine Ruhe und ich suchte einen der damals
ältesten Einwohner - Valentin Schleif in der Reihestraße -
auf. Nachdem ich von dem Fund im Falg berichtet hatte, erzählte
er mir von einem Vorfall, der sich um die Mitte des vorigen Jahrhunderts
ereignet habe.
Zu dieser Zeit soll ein Mann namens Eckweiler eine Gastwirtschaft
(Ecke Germaniastraße-Horrweilerstraße) betrieben haben. Ein junger
Mann aus Langenlonsheim, der in Appenheim als Knecht beschäftigt
war, sei dort - bei Eckweiler - manchmal eingekehrt, wenn er seine
Angehörigen in Langenlonsheim besuchte. Nun sei dieser Mann bei
einem Wochendbesuch zwar bei Eckweiler eingekehrt - wie die Polizei
später recherchiert habe - aber nicht bei seinen Angehörigen in
Langenlonsheim zu Besuch gewesen; auch sei er am darauffolgenden
Tag nicht in Appenheim eingetroffen. Man habe überall nachgefragt,
aber niemand habe sagen können, wo der junge Mann verblieben sei;
so habe sich die Polizei dann mit der Sache befaßt.
Eckweiler sei auch vernommen worden. Er soll gesagt haben, daß der
junge Mann bei ihm gewesen sei, habe auch seine Gastwirtschaft
wieder verlassen. Trotzdem habe man in seinem Anwesen und in der
damals noch vorhandenen Schinnkaut, in der Tierkadaver vergraben
wurden, lange gesucht, aber nichts gefunden. Man habe vermutet,
daß es zwischen Eckweiler und dem jungen Mann zu einer Auseinandersetzung
gekommen sei; Eckweiler sei ein leicht aufbrausender,
jähzorniger Mensch gewesen, und es sei in seiner Gastwirtschaft
oft zu Streitereien zwischen ihm und seinen Gästen gekommen.
Da auch Verhöre und Nachforschungen bei den Nachbarn keinen Erfolg
gehabt hätten, sei diese Sache allmählich eingeschlafen. Eines
Tages jedoch habe es zwischen Eckweiler und seinem Freund Hartwein,
der ebenfalls in der Straße gewohnt habe, Streit gegeben.
Im Verlauf dieser Auseinandersetzung habe Hartwein dem Eckweiler
vorgeworfen, den jungen Knecht in der Gastwirtschaft totgeschlagen
zu haben. Er habe ihn am nächsten Tag mit dem Schneppkarren
hinausgefahren und ihn in der Gemarkung vergraben. Eckweiler habe
dies geleugnet und behauptet, er habe ein Kalb in die Schinnkaut
gefahren. Darauf habe Hartwein geantwortet: "Ich habe noch kein
Kalb gesehen, das Stiefel anhatte".
Bald darauf habe Eckweiler sein Anwesen verkauft und sei nach Amerika
ausgewandert; man habe nie mehr etwas von ihm gehört. Die
Polizei sei später nochmals tätig geworden, habe aber nichts
herausbekommen.
Soweit die Erzählung des betagten Valentin Schleif. Am Ende unseres
Gesprächs meinte er noch zu mir:
"Do sieschde mol werre, die Sunn bringt alles an de Dag". |