Die Dorfschelle
Nummer 4 - Ausgabe April 1987
Gartenfunde
In der Wassergasse befinden sich mehrere Gärten;
Einer diser Gärten, der schon länger nicht bearbeitet wurde,
habe ich im Frühjahr 1986 von der Gemeinde übernommen.
Bei der Kultivierung dieses Gartens fand ich wahrscheinlich
viele Steine und Scherben von Tongefäßen, die ich nach und nach
aufsammelte und entfernte.
Da ich seit meiner Jugend jeden interessanten Stein und Tonscherbe
in Händen halte und mir genau ansehe, in der Hoffnung,
einen besonderen Fund zu machen, war dies bei Arbeiten im Garten
auch der Fall.
Eines Tages war mir der Zufall und das Glück hold, ich hielt ein
Steinstück in der Hand, und bei genauem Besehen, wußte ich, dies ist
ein Fragment aus der Steinzeit.
Das gefundene Stück hat eine Länge
von 2 cm und eine Breite von 1 cm.
Da muß man schon einen guten Blick
haben, um solch ein Fundstück auszumachen.
Es handelt sich, nach Aussage des
Landesamt für Denkmalpflege, um
eine abgebrochene Feuersteinklinge
mit wenigen feinen Retuschen (Bearbeitungsspuren
an einer Längsseite).
Auf der Unterseite ist noch sehr deutlich der Schlagbuckel (bulbus)
zu erkennen. Unmittelbar darüber wurde einst der Schlag angesetzt,
der die Klinge von der Steinknolle trennte.
Soweit der fragmentarische Zustand Aussagen erlaubt, handelt es
sich um ein Klingenbruchstück (schneidende Funktion).
Artefakte dieser Art gibt es von der jüngeren Steinzeit bis in
die Eisenzeit. 2000 bis 4000 vor Christus.
Den zweiten wichtigen Fund machte ich im Oktober 1986 beim Umspaten eines
Gartenstücks.
Zuerst dachte ich, es wäre, wie so oft, ein Kieselstein, aber nach dem
Reinigen und genauen Besehen, war ich mir sicher, daß es ein Stück
von einem Steinbeil ist.
Auch einige interessante Tonscherben habe ich gefunden.
Das Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Zylmann, schreibt:
Bei dem Steingerät handelt es sich - wie Sie richtig
vermuteten - um das Fragment eines Steinbeils. Das Gestein
dürfte Diabas sein...
Diese Form gibt es noch in der Bronze- und Eisenzeit.
Allgemein dürfte die Datierung in der Jungsteinzeit nicht
falsch sein.
Die beiden Tonbruchstücke sind hingegen mittelalterlich und nicht
römisch. Das eine Fundstück ist der Knopf eines Knopfdeckels, das
andere das Bruchstück eines Wellenfußes. Beide Keramiken waren
in Gebrauch vom 12. bis zum 15. Jahrhundert."
Für
mich persönlich war dies eine freudige und interessante Sache.
Zumal ich überzeugt bin, daß Aspisheim von der Lage her die ideale
Siedlungsmuld für Steinzeitmenschen gewesen ist.
Aus der Schrift zur "1200 Jahrfeier von Aspisheim" möchte ich einige
Sätze zitieren:
Die ersten Anfänge
Schon seit Jahrtausenden haben Menschen in unserer weiteren und
engeren Heimat gewohnt. Ihre Hinterlassenschaft tritt uns nur
trümmerhaft vor unsere Augen. Meistens sind es unverwesliche Gegenstände
wie Steinbeile, verschüttete Wohngruben mit Gefäßresten,
wie sie auch in der Aspisheimer Gemarkung zutage getreten sind.
Da das ganze Land schon sehr früh unter kultur genommen wurde,
sind die Funde aus einzelnen vorgeschichtlichen Perioden nur spärlich,
aber sie beweisen die anwesenheit von Menschen..."
Vielleicht gibt der Garten noch mehr von seinen Geheimnissen Preis?
Jedenfalls werde ich beim Arbeiten meine Augen offen halten!
P.H. Sutter |