Die Dorfschelle
Nummer 6 - Ausgabe Juli 1988
Aspisheimer Flurnamen - Teil 5
(Aus: Die Heimat; Heft 2 und 3 von 1933;
Autor: Lehrer Heinz Koch, Aspisheim)
6. Die Benennung erfolgt nach dem Zweck der Gewannen
An der Allmoos (Allmoosweg)
1786: am allmoßweg.
Bedeutung: Allmis = Allmand = Gemeindebesitz.
An (über) der Diebstraße
1603: an d "Diebstraße".
Bedeutung: Landfahrer waren fahrende Diet. Wir haben es also hier
nicht mit einer Straße der Diebe zu tun. Wahrscheinlich ist die
Straße die Fortsetzung einer alten Pilgerstraße aus der Wormser
Gegend. Sie zieht ja auch nach Laurenziberg - Jakobsberg - Ockenheim
Am (Auf'm - Unterm) Hungerberg
1672: Ein Morgen auf dem Hungerberg hat ein zeitlicher Schultheiß
zugenießen, ist auch aller Beschwerden frey.
Bedeutung: "Hunger" in vielen Flurnamen; von einer alten Geflogenheit
der Hirten, das Vieh zu gewissen Zeiten in einen eingezäunten
Ort zusammenzutreiben; den man Stelli oder Hungerplatz hieß (so
noch heute in Oberschwaben). Weniger wahrscheinlich ist die Annahme,
daß es sich um ein billiges schlechtes Feld handelt.
In der Kühunter
1773: Clauer in der Küheunter.
Bedeutung: Weideplätze heißen oft "Unter", weil das Vieh an bestimmten
Stellen "untern", d. h. unter Mittag ruhen sollte. Daher auch
in anderen Gegenden: Roß-, Schlaf-, Säuunter.
Am Wartbäumchen
1603: am Wartbaum.
1769: am warth Bäumgen.
Bedeutung: Warten wurden auf hohen Bergen mit guter Fernsicht errichtet;
oft bei hohen Bäumen. Noch 1900 standen dort 3 große Eichenbäume.
Nicht mehr im Grundbuch stehn: Schutzhütte (schitzhitt) in der
Kühunter für den Hirten errichtet.
An der Schanz
1774: auf der Schantz.
Bedeutung: Seit d. 30 jähr. Krieg und den Kriegen Ludwigs XIV. entstanden
links des Rheins viele "Schanzen".
Am Umgänger
Nicht mehr gebrauchlich.
Flutgraben
Nicht mehr gebräuchlich.
1747: Stück wieß unden am Dorfgraben einseit der fludt graben.
1751: 1/2 Virtel Feldt am brücklein einseit der flutgraben.
1775: Acker an dem fluth graben an der oberen Pfordt.
Er diente zur Entwässerung des Landes.
Anmerkung des Webmasters:
Der Flutgraben wird heute aus Richtung Bingen gesehen, als
"Aspisheimer Graben" bezeichnet.
Schindkaut
(Die alte Sch. war im hintern Tal.)
Platz für gefallenes Vieh - Schinder - Abdecker.
Bleiche
Am Dorf - Tuchbleichen befanden sich überall -
seit alter Zeit.
Heerstraße
Oft alte Römerwege. Wahrscheinlich gehören ebenfalls hierher:
Im Goldacker
1671: in dem Golacker - Gollacker.
1812: Auf dem Koblacker.
Bedeutung: 1) größte Wahrscheinlichkeit: von Kohle-Kohlenmeiler.
2) Gold-=gute Aecker.
Auf der Roos
1747: auf d rooß.
1777: an der rooß.
Bedeutung: rozze = Lache, in der Flachs gewässert wurde. Der Boden
war sicher dazu geeignet.
7. Die Gewannen werden nach Tieren benannt
Im Falg
1603: Uf falch.
1773: auf fahlig.
Bedeutung: Falch = Falke.
Auf (Unter) der Geig
1539: uf der geichen.
1603: uf der geuchen.
1770: auf der geuch.
Bedeutung: von Gauch, mhd. giege = Kuckuk.
Am Käferberg
1671: Acker am Keferberg wust am Keberberg.
Bedeutung: nach dem Borkenkäfer benannt, der ganze Waldbestände
vernichtete.
In der Krötenhöhl
1747: Clauer in d grätten höll.
Bedeutung: Krötenhelde = Krötenhalde. Halde = gestreckter, gekrümmter
Berghang.
Folgende 4 Namen stehen nicht mehr im Grundbuch:
Tiergarten (diergarde)
"garten" bedeutet immer Einzäunung.
Rabenschule (raweschul)
an der Kisselstraße.
Eselspfad
1769 u. 1775: Clauer am eselspfad - IX. 7.: acker am eselspfad -
Er zog von der Höhe, wo heute der Appenheimer Weg auf die Chaussee
stößt, durch den damaligen Wald nach Appenheim. Name nicht mehr
gebräuchlich.
Wolfskaut
30 ruthen Clauer in der wolfskaut - Wölfe gab es noch nach dem
30jährigen Krieg in unserer Gegend. Lage unbestimmt.
Klaus Grundstein (wird fortgesetzt) |