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Die Dorfschelle
Nummer 7 - Ausgabe Dezember 1988
Die achtundachtziger Weine
Eine saure Arbeit
von Johannes Trojan.
Als die Kunst, aus einem schwachen Most doch noch einen trinkbaren
Wein zu zaubern, noch nicht so weit gediehen war wie
heute, schrieb der Satiriker Johannes Trojan aus Rostock
(1837-1915), Starmitarbeiter der Zeitschrift "Kladderadatsch",
diese Verse über die Weine des besonders schwach ausgefallenen
Jahrgangs 1888.
In diesem Jahr am Rheine
Sind leider gewachsen Weine,
die an Wert nur geringe.
Es reiften nur Säuerlinge
Im Verlauf dieses Herbstes,
Nur Herberes bracht' er und Herbstes,
Zu viel Regen, zu wenig Sonnenschein
Ließ erhofften Segen zerronnen sein,
Nichts Gutes floß in die Tonnen ein.
Der achtundachtziger Rheinwein
Ist, leider Gottes, kein Wein,
Um Leidende zu laben,
Um Gram zu begraben.
Um zu verteiben Trauer.
Er ist dafür zu sauer.
An der Mosel steht es noch schlimmer,
Da hört man nichts als Gewimmer,
Nichts als Ächzen und Stöhnen
Von den Vätern und Söhnen,
Den Müttern und den Töchtern
Über den noch viel schlechtern
Ertrag der heurigen Lese.
Der Wein ist wahrhaft böse.
Ein Rachenputzer und Krätzer,
Wie unter Gläub'gen ein Ketzer,
Wie ein Stroch, ein gefährlicher,
In dem Kreise Ehrlicher
Unter guten Weinen erscheint er.
Aller Freude ist ein Feind er,
Aller Lust ein Verderber.
Sein Geschmack ist fast noch herber
Als der des Essigs, des reinen.
Ein Wein ist es zum Weinen. |