Die Dorfschelle
Nummer 8 - Ausgabe März 1989
Wein-Notizen aus alten Chroniken
Im Gotischen, der ältesten überlieferten deutschen Sprache heißt der Weinberg weinagards, im Althochdeutschen wingart. Daraus entstand das heutige "Wingert". Der Verwalter eines römischen Weingutes hieß vinitor. Daraus entwickelte sich das Wort Winzer. In einer altdeutschen Hand¬schrift heißt er "Win.ziugela", das ist einer, der den Wein zieht. Er wurde auch Weingartner, Baumann oder Rebmann genannt. Im 14. Jahrhundert wählten die Bauernschaften als Verwalter einen "Winczer".
Wie heute noch musste der Most beobachtet werden, wenn die Gärung begann, und nach beendeter Gärung von der Hefe genom¬men -"umgestürzt" - werden. Der "Kelleraufseher", der dies tat, hieß einst "Kellner".
Ein uralter Winzerleitsatz lautet: "Slehtez velt pringt mer weine, aber gepirg pringt edlern wein" - Zu deutsch: "Schlech¬tes Feld bringt mehr Wein, aber Gebirge bringt edleren Wein".
Das Calcatorium (calcatura) war bei den Römern der Ort, an dem die Trauben ausgetreten wurden, um den Traubensaft zu gewinnen. Aus diesem lateinischen Wort entstanden "calcturh", "calcterhus", "calterhus" und schließlich "Kelter". Karl der Große verbot das Treten der Trauben mit den nackten Füßen, aber dieser Brauch wurde noch lange nach seinem Tod beibehalten.
Zur Zeit der Merowinger hatten die Winzer eine Naturalsteuer in Form von Wein zu entrichten. Unter König Chilperich (715) musste jeder Weinbauer eine dem Umfang seines Weinbergsbesitzes entsprechende Anzahl Amphoren Wein "zahlen".
Um das Jahr 1000 pflanzte man in Norddeutschland Reben an. Erzbischof Adalbert von Bremen (gestorben 1085) versuchte die Anpflanzung sogar auf dürrem Acker, aber die Versuche misslangen, wie uns der deutsche Geschichtsschreiber, Domherr und Scholastikus Adam von Bremen um das Jahr 1067 berichtet. In Göttingen und Hildesheim hegte man die Reben bis zum 15. Jahrhundert. Dann aber wich der Weinbau langsam nach Süden zurück. Zum Glück, sagten die Weinkenner, denn die Tropfen aus den kälteren Zonen gehörten oft zu den Kategorien "Drei¬männerwein" (einer trinkt, zwei halten ihn fest), "Kanonen¬wein" (so sauer, dass sich davon die Zündlöcher der Kanonen zusammenziehen) oder "Witwenwein" (wirft den stärksten Mann um und macht seine Frau zur Witwe).
Im 14. Jahrhundert gab es Ritter, die - wie Friedrich von Haatzstein 1363 - so groß und stark waren, dass sie ein Ohmfaß Wein (150 Liter) freihändig stemmen und aus dem Spundloch trinken konnten.
Klaus Grundstein
|