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Die Dorfschelle
Nummer 10 - Ausgabe Dezember 1990
Die Dalberg'schen Güter zu Aspisheim
bzw. die Abgabe von 15 Malter Korn an das Stift St. Stefan zu Mainz
Zurückgehend bis zum Jahre 1464 lässt sich das Dalberg'sche Rittergut in Aspisheim feststellen. Die Liegenschaften, zu denen auch ein Hof gehörte, waren an die Bürger verpachtet bzw. in deren Bestand (Beständer) zur Bewirtschaftung übergeben. In unregelmäßigen Abständen wurden neue Bestands-/Beständer-verzeichnisse erstellt (aufgerichtet), nachweisbar und urkundlich beim Staatsarchiv in Darmstadt vorliegend aus den Jahren 1544, 1551, 1567, 1579, 1590, 1601,1611, 1641 -also im 30-jährigen Krieg-, 1668, 1698 und 1733.
Über diese Verzeichnisse gewinnt man einen Überblick über die jeweiligen Einwohner, die einmal als Beständer (Pächter) oder als Nebenlieger der jeweiligen Grundstücke genannt sind. Über diese Bestandsverzeichnisse lassen sich, insbesondere wenn sie in kürzeren Zeitabständen errichtet wurden, familiäre Linien ermitteln, relativ genau dann, wenn Zusätze wie der Alte, der Junge oder die ergänzende Bezeichnung Wwe. oder Kinder Verwendung fanden.
Bis zur Neuverpachtung blieben die Grundstücke meistens in der Familie, über die Grundstücksbeschreibung lassen sich teilweise die Familienzusammengehörigkeiten ermitteln, ebenso Verheiratungen von Männern nach außerhalb, die dann wie bei Eigentum einen Teil der Grundstücke zum Bestand erhielten.
Der Pachtpreis belief sich auf die Abgabe von u.a. 15 Malter Korn Binger Maßung. Der Naturalpreis war also von den Beständern insgesamt zu erbringen und nicht an den Eigentümer, die Dalbergsche Familie, sondern als Gegenleistung und Spende für die Lesung von wöchentlich 2 hl. Messen durch einen Priester an das Stift St. Stefan. Die Überwachung und Durchführung lag in den Händen der Gemeinde, beim Schultheiß und dem örtlichen Gericht, die die Rechtmäßigkeit der Neuverpachtungen auch in den Urkunden bestätigten.
Über die Auswertung aller Verzeichnisse lassen sich weiterhin Rückschlüsse auf die Bevölkerungsentwicklung ziehen. Beispielsweise sind in der Aufstellung aus dem Jahre 1601 insgesamt 111 Beständer genannt, im Jahre 1641 waren es nur noch 88, 1698 waren es 85. Mehr als 20 Flurstücke waren 1544, 1641, 1668 und 1698 in einer Hand. Weiterhin ergibt sich aus den Aufstellungen eine sehr gute Übersicht über die einzelnen Flurnamen und Nutzungen, die in den jeweiligen Fluren vorhanden waren, so auch an welchen Stellen Wald oder Klauer mit welcher Baumart vorhanden waren.
Neben einem Überblick über die Einwohner ergeben sich auch Nachweise über die gebräuchlichsten Vornamen. Die Vornamen Johann(es) waren mit 21,18, Peter mit 10,59, Nikolaus (Nickel) mit 7,62, Philipp mit 7,38, Heinrich mit 5,46 und Jakob mit 4,65 Prozent in all den Jahren angegeben, 67 verschiedene Vornamen waren es insgesamt.
Durchschnittlich waren es 105,8 Beständer aus Aspisheim, davon 87,6 Männer, 7,8 Frauen und Witwen, andererseits im Durchschnitt 6,7 unerledigte Erbfälle.
Hinzu kamen - jeweils im Durchschnitt -10,3 Beständer aus Horrweiler, 6,1 aus Dromersheim und 4,7 aus anderen Nachbarorten, meistens bedingt durch den mit einer Heirat verbunden Wegzug.
Mit anderen Unterlagen zusammen wurde der Versuch unternommen, die Lebens-zeit der Unterschriftsleistenden mit folgenden Ergebnissen zu ermitteln:
Gruber, Franz, Schultheiß 1683 - 1768
Becker, Johann Wilhelm 1676 - 1758 (Zöllner u. Steinsetzer) als Schreiber,
Martin, Johann Niklaß 1691 - 1755
Scholl, Lorentz 1663 - 1745
Wolff, Johann Philipp 1670 - 1736
daneben alle Angehörige des örtlichen Gerichts.
Beständer (Besitzer/Bewirtschafter) waren:
Becker, Christian (? aus Horrweiler)
Becker, Friedrich 1693 - 1735
Becker, Joachim (? aus Horrweiler) Gemeindebäcker
Becker, Mathias 1697 - 1780
Behr, Heinrich 1680 - 1756
Diefenbach, Lorentz 1703 - 1782
Franck, Johann Valentin 1703 - 1773
Franzius, Friedrich in Aspisheim 1721 -1736
Gemicker, Jakob 1709 - 1764
Geyer, Jacob 1671 - 1753
Haber, Philipp bis 1724 in Aspisheim
Hörbrandt, Johannes 1685 - 1762 (Schultheiß)
Huff, Jacob 1693 - 1767
Huff, Nicklas 1693 - 1748 Nikolaus Mörbel 1679 - 1746
Jantz, Jacob 1703 - 1771
Kärcher, Nikolaus 1700 - 1772
Knewitz, Johann Wilhelm 1693 - 1779
Lauffersweiler, Mathias 1688 - 1745
Lehringer, Simon 1692 - 1761
Luff, Johann Mathias 1702 - 1791
Melledick, Jacob 1705 - 1769
Mörbel, Johann Philipp 1709 - 1797
Rupperter, Philipp bis 1740 ausgewandert,
Schaat(f?), Johannes 1702 - 1756
Schleif, Conrath 1691 - 1765
Schmidt, Johannes 1679 - 1741
Schmitt, Peter bis 1755, ausgewandert
Schneider, Heinrich bis 1741, ausgewandet USA, PSY
Schneider, Konrath 1682 - 1766
Schneider, Lorentz bis 1739, ausgewandert
Scholl, Daniel 1708 - 1763
Scholl, Johannes 1695 - 1785
Weinmann, Philipp 1698 - 1750
Wittersheimer, Conrath 1691 - 1755
Zehmer, Johannes 1677 - 1747
Zimmermann, Heinrich 1691 - 1739
Frieder Hothum
Heutt datto den 20ten Feber 1733 haben Mir Schultheiß undt Gerichten nahmens der gantzen Gemeindt alhir zu Aspisheim in Chur Pfaltz im oberambt alztey mit dem freyherren von Dalberg, wohnhafft in der statt Mentz einen auffrichtigen Verglich Condrack mit ein andter haben auffgericht, daß unßer Gemein Aspisheim seine beständtige gütter die in unßer Gemark odter außer Gemark ligen Sie mögen Nahmen haben wie sie wollen, nichts außgeschlossen, die unßer Gemeindt in Händten hatt. Auff einem Erben standt Volkomen verglichen, daß unßer Gemeindt die ermelte freyherische Dalbergische gütter sollen haben Vor Erb undt Eygenthumlich zu genißen damit zu schalten undt walten Nach unßrem gefallen, Dargen Sol unßer Gemeindt dem Freyh. v. Dalberg geben pro laudemio 100 fl. undt darbey auch alle Unkosten versprochen zu bezahlen die bey der Neüen Renovation seindt auffgangen undt gemacht worden undt dan dem freyh. v. Dalberg Jährlich beständig zu liffern 45. Malter Korn Binger Maßung gutter saubre frucht nacher Walhaußen odter Macher Bingen zu liffern undt sol der freyh. v. Dalberg von den Ermelten 45. Malter Korn den allerheyligen alter zu St. Staffen (Stefan) selbsten besoldten, ein Solchesthum mir schulteiß undt gerichten Nahmens der gantzen Gemeindt versprechen Gedreylich zu halten Sondter gefehrten undt argelist, deßen zu wahrer Urkundt haben Mir Schultheiß undt gerichten dießes Mit unßrem gewöhnlichen gerichtsInsigelum Corberirt undt auch eygenhandtig mit der gantzen Gemein undterschrieben. Aspisheim in Subra
Sg. Frantz Gruber Schultheiß
Johann Philipus Wolff
Lorentz Scholl
Johann Wilhelm Becker
Wilhelm Bauer ?
Johann Niklaß Martin, deß gerichts undt Schreiber dißer Zeit.
Folgt die Gemeindt mit 37 Unterschriften
Quelle 1733 02 20 StADa01A Fasz22/2
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