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Die Dorfschelle
Nummer 10 - Ausgabe Dezember 1990
Rückblick auf die Weinernten von 1816 bis 1944
Im Pfarrhaus einer rheinhessischen Gemeinde wurde vom jeweiligen Pfarrer niedergeschrieben, was es über den Weinbau und die Ernteerträge zu berichten gab. Das Wetter, die Qualität des Weines und auch die Preisgestaltung wurden dabei erwähnt. Einige dieser Daten hier im Auszug:
Im Jahre 1816 gab es keinen Wein und auch keine Früchte, die Früchte verfaulten wegen des anhaltenden Regens auf dem Fel¬de. Die Trauben konnten nicht reifen und blieben an den Stöcken hängen. Wegen des Missjahres 1816 gab es im darauffolgenden Jahr 1817 eine große Teuerung. Sechs Pfund Schwarzbrot kosteten einen Gulden oder sechzig Kreuzer. Die Ernte in diesem Jahr war gut, doch gab es keinen Wein, weil die Trauben im Oktober erfroren. 1819 gab es sehr guten Wein, doch der beste seit dem Anfang des Jahrhunderts war der 1811er gewesen.
Auch 1822 war der Wein sehr gut. In den Jahren 1823 - 1825 gab es wenig Wein, auch war er nur mittelmäßig. 1826 gab es sehr viel Wein, wenig Qualität. Im Jahr 1827 war der Wein gut. 1828 entsprach der Wein etwa den Angaben aus 1826, es gab mengenmäßig sehr viel. Im Sommer 1829 herrschte große Kälte und es gab einen un¬zeitigen Wein.
1830 gab es Anfang Februar die seit Menschengedenken streng¬ste Kälte. Der Wein gefror im Messkelch während der Messe. Manche Leute fielen in der Kirche um und waren mehrere Tage krank. 1831 war der Wein nur mittelmäßig, es gab auch nicht viel. 1832 wurde ein geringer Wein geerntet. Einen vollen Herbst und gute Früchte gab es 1834. Im Jahre 1836 war der Wein nicht gut, Hagel am 22.Juni hatte den Trauben geschadet. 1837 wurden die Trauben nicht reif und der Wein war ungenießbar. 1838 erfroren die Weinstöcke, nachdem sie schon vier Zoll lang gewachsen waren in der Nacht auf den 11.Mai. Es gab keinen Wein.
Wenig und nur mittelmäßigen Wein erntete man 1840, 1841 war der Wein etwas besser, aber es gab nur wenig. Viel und sehr guten Wein gab es 1842. 200 Gulden wurden für das Stück erzielt. 1843 gab es viel, aber unzeitigen Wein. Entsprechend auch der Preis, er wurde für 80 Gulden verkauft. 1844 und 1845 war er Wein mittelmäßig, aber trinkbar. Der Preis lag bei 100 bis 150 Gulden pro Stück. Im Jahr 1846 war der Sommer sehr heiß und hatte eine anhal¬tende Trockenheit zur Folge. Der Wein war ausgezeichnet, es gab aber nur wenig Getreide. 1847 kam es Infolge der unmittelbar vorhergegangenen gerin¬gen Fruchternte zu einer großen Teuerung. Das Malter Weizen (200 Pfund) kostete 30 Gulden. Das Malter Korn 21 Gulden, Gerste 16 Gulden, das Malter Hafer 10 Gulden. 1847 wurde viel Getreide bis kurz vor der Ernte von Amerika bezogen. Die Fruchtfolge im Jahre 1847 war gut, aber der Wein war gering und sauer. Von Bartholomä (24.August) bin zur letzten Woche im Septem¬ber war es regnerisch und kalt. Die Obsternte war trotzdem gut, an solche Mengen konnten sich die ältesten Leute nicht erinnern . Die Baumstützen reichten nicht, obwohl solche auf Anordnung der Forstbehörde drei Wochen lang im Wald gehauen und versteigert wurden. Das Malter Äpfel wurde für 30 Kreuzer verkauft. Die Fässer waren sehr teuer. Das Keltern des Obstes dauerte bis in den Winter hinein. 1848 gab es nur einen halben Herbst, aber guten Wein bewirkt durch den sehr heißen Sommer.1849 gab es reichlich Wein, aber geringe Qualität.
Einen halben Herbst mit geringer Qualität gab es 1850. Sehr schlecht war der Wein auch 1851. Mengenmäßig etwa ein Drittel. Auch 1852 gab es die gleiche Menge bei mittlerer Qualität.
Fortgesetzt wurden die Aufzeichnungen mit dem Jahr 1918. Es gab einen sehr sauren Wein. 1921 war ein sehr gutes Weinjahr. Die Trauben waren edel¬fein. Es gab Mostgewichte, wie sie seit Menschengedenken nicht erzielt wurden. Der 21er war von vorzüglicher Qua¬lität. Für das Viertel zahlte man 70 bis 85 Mark. Die Trockenheit war für den Wein günstig, aber die Kartoffeln fielen sehr schlecht aus. Der Zentner kostete im Herbst 85 bis 115 Mark. 1922 begann der Herbst am 3.Oktober. Es gab einen sehr sau¬ren Wein, das Viertel kostete 359 bis 500 Mark. 1923 zeigte die Inflation auch beim Wein Auswirkungen. Am 1. Januar 1923 kostete ein Stück Wein 350 000 Mark. Am 1. Juli 1923 lag der Preis bei 16.000.000 und am 1. August 1923 schon bei 80.000.000 Mark. 1924 begann die Weinlese am 13. Oktober. Infolge der schlech¬ten Witterung im August und im September war der Wein sauer. Wo der Winterfrost den Weinbergen nicht geschadet hatte, gab es viel Wein. Das Viertel kostete 2,50 -2,70 Mark. 1925 wurde nur saurer Wein geerntet Die Weinlese 1926 begann am 4.Oktober. Für das Viertel wur¬den 6 Mark bezahlt. 1927 brachte der Herbst ein mittelmäßigen Ergebnis in Quan¬tität und Qualität, das Viertel kostete 6,30 Mark. 1928 gab es nach einem heißen Sommer einen vorzüglichen Wein. Die Reben hatten sich vom Maifrost unerwartet gut er¬holt, so dass die Fässer voll wurden. Für das Viertel gab es 5,60 Mark. Auch 1929 war der Sommer heiß. Die Qualität war besser als 1928. Der Preis lag allerdings recht niedrig, das Viertel kostete 2,80 Mark. Die relativ hohen Lebenshaltungskosten und Steuern machten der Landbevölkerung schwer zu schaffen.
1930 konnten die Winzer infolge einen sehr milden Winters schon recht früh mit ihrer Arbeit beginnen. Der Herbst brachte dann einen unerwartet hohen Ertrag bei guter Qua¬lität. Allerdings wurden für das Viertel nur 1,90 Mark be¬zahlt. Das Jahr 1931 versprach in der ersten Hälfte zu einem guten Weinjahr zu werden, doch August und September verdarben mit vielen Regentagen die Qualität. Es gab in den meisten Lagen viel Wein. Das Viertel kostete allerdings nur 1,25 Mark. 1932 gab es im Sommer viel Regen, dazwischen lagen ein paar heiße Wochen. Dadurch war die Qualität des Weines besser als angenommen. Der Preis lag bei 2,50 Mark für das Viertel. Während der Weinlese war Regenwetter. 1938 war der März warm, aber im April gab es Frost. Viele Obstbäume und Weinberge erfroren (40-60%).
Das Jahr 1940 setzte mit seinem strengen Frost den Weinber¬gen so sehr zu, dass die Aussichten auf den Herbst trostlos waren. Trotzdem musste die in den Wingerten anfallende Arbeit wie in jedem Jahr verrichtet werden. Es gab eine zehnprozen¬tige Missernte. Auch 1941 gab es bedingt durch den strengen Winter nur eine 50 bis'60 prozentige Weinernte. 1942 wurde nach der eisigkalten Nacht zum 1.Ma1 so gut wie nichts geerntet in den Weinbergen.
Mit dem Jahr 1944 enden diese Aufzeichnungen. Die Qualität war nicht sehr gut, weil die Sonne gefehlt hatte.
Quelle: Bad Kreuznacher Heimatblätter 9/89
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