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Die Dorfschelle
Nummer 17 - Ausgabe Dezember 1999
Brief aus Rom anno 282 n.Chr.
Im Rahmen der feierlichen Weinprobe "Sternstunden mit Aspisheimer Weinen" anl. der Einweihung der Gutenbornhalle wurde von Klaus W. Grundstein ein von ihm verfasster "Brief aus Rom" vorgelesen, der aufzeigen sollte wie es um den Weinbau in den römischen Provinzen in dem Zeitraum um 282 n. Chr. bestellt war. Zu dieser Zeit existierte in Aspisheim bereits eine Villa rustica, deren Reste (von einer römischen Badeanlage) bei Renovierungsarbeiten an der ev. Kirchenmauer im Jahre 1984 entdeckt wurden.
Der Wunsch einiger Interessenten nach einer Kopie des Briefes veranlasste den Redaktionsauschuss den Inhalt in dieser Ausgabe der Dorfschelle einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen.
Um den Brief inhaltlich "historisch richtig zu gestalten" wurden folgende Literaturunterlagen verwendet:
Zeitschrift Alles über Wein, Heft 6/93: Kurz gefasste Chronik des Weines. Die Weinkultur der Römer, Karl-Wilhelm Weber, Artemis & Winkler. Dionysos Bacchus, Friedr. Wilh. Hamdorf, Verlag Callway. Hugh Johnsons Weingeschichte, Verlag Hallwag. In den Krallen des römischen Adlers, Ernst F. Jung, Boje-Verlag Stuttgart. Weinparadies Rheinhessen, Hans-Jörg Koch, Rhh. Druckwerkstätte Alzey. Seneca für Manager, Georg Schoech, Verlag Artemis. IANUA Nova, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen. Briefe der Weltliteratur: Antike Griechenland, Kindler Taschenbücher. URBAN und HUMAN: Unvergängliche lateinische Spruchweisheit, H. G. Reichert, Goldmanns gelbe Taschenbücher. Philosophisches Lesebuch 1, Hans-Georg Gadamer, Fischer Bücherei. Vertieft wurden die Erkenntnisse aus dem Lesestoff durch größere Internetrecherchen und div. Museumsbesuche mit "Römischen Inhalten".
Rom, zum Beginn des Sommers im 7. Jahr der Regierung von Kaiser Probus (= 282 n. Chr.)
Sei herzlich gegrüßt, mein lieber Claudius Arminius!
In jeder Hinsicht bin ich körperlich einigermaßen gesund und auch mein Geist befindet sich wohl. Ich glaube, es gibt für einen von Freund zu Freund geschickten Brief keine bessere Nachricht als diese. Bei den Göttern, schon lange habe ich mir gewünscht Dich wiederzusehen. Und dies habe ich im nächsten Sommer vor, da ich mit Freuden gehört habe, dass Du alles gut überstanden und nun endlich im fernen Germanien mit Deiner neuen Domina eine Familie gegründet hast. Wie Du weißt, hat bereits Seneca festgestellt.
"Kein Besitz macht Freude, wenn der Freund fehlt!",
Ich hoffe, mein Brief wird Dich nicht mit allzu großer Verzögerung erreichen. Dann können wir - obwohl räumlich getrennt - das zweite Weinfest des Jahres, die „Vinalia rustica" (damals der 19. August) gemeinsam feiern.
Dank den Göttern und dem Kaiser, dass er Dich mit Landbesitz für Deinen hohen Kampfeinsatz vor fünf Jahren in Gallien, wo wir endlich die Alemannen vertreiben konnten, belohnt hat.
Besonders interessiert mich daher Deine neue Heimstatt zwischen Moguntiacum und Bingium unter den Hügeln an der guten Quelle. Neugierig bin ich vor allem auf Deine Weinberge, die Du nun ja "offiziell" angelegt hast, nachdem Kaiser Marcus Aurelius Probus endlich das Edikt von Domitian gegen den Anbau von Weinstöcken in den Provinzen aufgehoben hat. Nun wirst Du besseren Wein trinken können, der vor allem nicht mehr wie unser römischer Wein unter den Strapazen eines langen Transportes leiden muss.
Sehr interessiert habe ich Deinem Briefe entnommen, dass Du die Weinberge in südöstlicher Richtung an de HügeIn unter Beachtung der Regel: "Wo der Pflug kann gehn, soll keine Rebe stehn" angelegt hast. Mit besonderer Freude lese ich, dass Du Dich beim Setzen der Reben von der Faustregel des Junius Faustinus leiten ließest:
"Der Boden soll eher warm als kalt, eher trocken als feucht, eher locker als dicht sein - darauf und ähnliche Umstände soll ein Mann, der eine Weinpflanzung anlegen will, sein Augenmerk richten". Und hier gilt gemäß Cato: 'Wer hackt gewinnt! Grabe häufig!
Ich bin auch gespannt, was Du über das Wachstum der Reben an den einfacheren runden Stützen aus germanischem Eichenholz und ihr Gedeihen in den Rebzeilen mit den Zwischenpfaden berichten wirst.
Und denke daran: Als Winzer bist Du - so wie Horaz bereits feststellte - eine besondere Art von Bauer. Die .Arbeit im Weinberg ist mühsam, aufwendig und nur dann ertragreich, wenn man sich mit großer Umsicht und großem Arbeitseinsatz um die Weinstöcke kümmert!
Bedenke bei Deiner "cella vinaria" (also Deinem Weinkeller), dass er wenigstens teilweise unter der Erde liegt und am besten nach Norden hin ausgerichtet ist .Lege aber auch Wert darauf, dass er fernab von Mistgruben oder anderen Quellen unangenehmer Gerüche liegt, die den Wein leicht verderben können.
Nun will ich Dir noch verraten:
Habe auf dem Forum Romanum den alten Seher getroffen, der sich Calchas nennt und ihn über Deine Zukunft befragt. Er hat Dir zwar unruhige Zeiten vorhergesagt, ist sich aber sicher, dass die Götter Dir wohl gesonnen und die Reben in Deinen Weinbergen wachsen und gedeihen werden. Für den Genuss der daraus gekelterten Weine verheißt er Dir "glückliche Sternstunden". Lass mich ergänzend noch hinzufügen: habe von den Christen gehört, dass in einem Lobgesang ihrer Bibel festgehalten sein soll: "Der Wein erfreue des Menschen Herz°.
Unter uns alten Kriegskameraden erlaube ich mir zu bemerken: "was soll denn da noch schiefgehen?"
Bevor ich diesen Brief, lieber Claudius Arminius, schließen werde, gestatte ich mir noch einen Hinweis:
Wenn der cäsaische Kartograph demnächst bei Dir vorsprechen sollte, so bitte ihn doch, Dich als Besitzer der "Villa rustica an der Guten Quelle" (Gure Börnche) offiziell zu verzeichnen.
Mit herzlichem Salve und Dich dem Wohlwollen der Götter empfehlend ...."
bibe, vivas multis annis"
(Trinke und lebe viele Jahre)
Dein Tullius Septimius
Römische Darstellungen von Kaiser Probus
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