Die Dorfschelle
Nummer 17 - Ausgabe Dezember 1999
Kaiser Karl der Große
Liebe Leserin, lieber Leser,
am 28. April 1999 hielt Herr Ernst Kähler vom Historischen Verein Ingelheim im Rahmen der Wintervorträge des Heimatvereins Aspisheim e.V. einen sehr interessanten Vortrag Ober Kaiser Karl den Großen.
Da der darüber von mir verfasste Zeitungsartikel leider nur in Kurzform erschien, hat der Redaktionsausschuss beschlossen den Bericht über die faszinierende Persönlichkeit Karls des Großen in dieser Ausgabe der Dorfschelle zu veröffentlichen.
Da der Name Aspisheim auf den Franken Ascmund zurückzuführen ist und sich ein interessantes fränkisches Gräberfeld dort findet, bestand schon immer sehr großes Interesse mehr über die Frankenzeit zu wissen.
Im Rahmen der Vortragsreihe des Vereins der Heimatfreunde Aspisheim e. V. stand diesmal somit Karl der Große im Mittelpunkt. Ernst Kähler vom Historischen Verein Ingelheim war der Referent des Abends. Mit seinen Ausführungen über die Persönlichkeit Karls des Großen (742-814), seine Bedeutung für die deutschen Kaiser und Könige des Mittelalters - aber auch die von ihm geführten Sachsenkriege - schlug der Vortragende die sehr interessierten Besucher sehr schnell in seinen Bann. Sehr deutlich wurde, dass Karl der Große eine Ausnahmeerscheinung war; nur wenige Herrscher hatten wie er den Beinamen "der Große". Er wurde wohl nicht nur aufgrund seiner Reformen und überaus erfolgreichen Herrschaft "der Große" genannt. Auch körperlich überragte er die meisten seiner Mitmenschen; er war ein hervorragender Krieger, der mehr als die Hälfte seines Lebens im Sattel bei Kampfeinsätzen zubrachte. Er liebte sowohl das Schwimmen und das Jagen. Dennoch war er keinesfalls primitiv. Obwohl er des Schreibens kaum mächtig war, war er eher ein Intellektueller, der den Wert der Bildung hoch schätzte. Er hatte erstaunliche Sprachkenntnisse und beherrschte das Lateinische meisterlich.
Anders als seine Vorfahren belebte Karl neben der Kriegskunst auch andere Künste in seiner Herrschaftszeit. Er war überzeugter Christ und Bildungsfanatiker. Er reformierte beispielsweise die lateinische Sprache und in seinen vielseitigen "capitularien" ließ er Stammesrechte und Bebauungsanweisungen abfassen, etwas, was bisher einzigartig war. Eine weitere Reform betraf das marode Geldwesen; einen interessanten Hinweis auf das Münzwesen gibt u. a. die in der karolingischen Pfalz in Ingelheim gefundene Goldmünze Solidus, die sein Bildnis und Kaisertitel trägt. Die Reformierung des Gerichtswesens brachte auch die Einführung von Schöffen mit sich. Der größte Spross der Karolinger, Karl der Große, schickte sich an, der erste westliche Kaiser der katholischen Christenheit zu werden. Im Jahre 799 greift er zur Unterstützung von Papst Leo III. ein, nachdem dieser wegen einer Revolte aus Rom fliehen musste. Weihnachten 800 wird Karl durch ihn in der Peterskirche zu Rom zum Kaiser gekrönt. Byzanz sah dies nur ungern, da u. a. auch der Papst Schutz und Unterstützung bei Karl und nicht beim oströmischen Kaiser suchte. Die Kaiserwürde war das Ergebnis dieses Zustandes, ebenso auch eine Belohnung für Karls ernst zunehmenden christlichen Eifer.
Die letzten Jahre Karls waren geprägt von schweren Schicksalsschlägen; er musste sein für diese Zeit extrem hohes Alter damit bezahlen, dass er seine eigenen Kinder überlebte. Die Sorge Karls um seine Kinder beschreibt Einhard in der Kaiserbiographie: " ... um die Erziehung seiner Söhne und Töchter war er so besorgt, dass er zuhause niemals ohne sie speiste, nie ohne sie eine Reise machte; seine Söhne ritten ihm zur Seite, seine Töchter aber folgten dicht bei ihm im hintersten Zuge, und seine Schar von Leibwächtern war zu ihrem Schutz bestellt ."
Der langwierigste, grausamste und anstrengendste Krieg des fränkischen Volkes war der mit den Sachsen. Karl der Große war auch ein großer Förderer des Weinbaus.
(Verfasst von Klaus W. Grundstein sowie erläuternd mit nachfolgendem Beitrag)
Die Pfalz zur Zeit der Karolinger
Die Pfälzer Region zur Zeit Kaiser Karls des Großen, etwa zur Zeit 810 n. Chr. vor dem Vertrag zu Verdun im Jahre 843, der die Aufteilung des
Reiches vollzog. Wir erkennen die Lage des Klosters Gorze, Speyer, Trier, Mainz und auch Ingelheim.
800
Der fränkische König Karl der Große wird in zum Kaiser des Reiches gewählt. Das wird gegründet. Es versteht sich als ein Nachfolger der römischen Herrschaft auf Deutschem Boden. Die Gründe hierfür sind vielfältig, keines der im Verlauf der Völkerwanderung gegründeten und schnell untergegangenen frühmittelalterlichen "Reiche" konnte an die Zustände und den Wohlstand der römischen Spätzeit anknüpfen. Die Geschichte der Kaiserstadt Trier (Augusta Treverorum) und deren nachfolgende Ausplünderung und Zusammenbruch in den Zeiten gibt davon hinreichend Zeugnis. Karl der Große ist erster von 56 Kaisern dieses Reiches. Unter seiner Epoche erlebte das Reichsgebiet eine erste bescheidene Blüte nach den Wirren der vergangenen Jahrhunderte (1806 unter Napoleon 1 wird Franz II. von Österreich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation für beendet erklären).
843
Das Frankenreich wird im Vertrag von Verdun geteilt. Nach dem Tode Karls des Großen teilt dieser, wie es unter den fränkischen Bauern üblich ist , sein Land unter seinen Söhnen auf. Teile des Speyer- und Wormsgaues werden dem ostfränkischen Reichsteil unter Ludwig dem Deutschen angegliedert.
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