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Die Dorfschelle
Nummer 18 - Ausgabe Dezember 2000
Auswanderungen
(u.a. auch nach Amerika)
Die Bezeichnung „Land der unbegrenzten Möglichkeiten” zeigt auf, welche Gedanken und Sehnsüchte viele unserer dörflichen Vorfahren mit Amerika, genauer mit den Verei-nigten Staaten, verbanden.
Viele einzelne Gründe bewogen immer wieder Menschen aus Europa und damit auch aus unserem Dorf ihr Glück in Amerika zu “machen”. In der Mehrheit war es wirtschaft-liche Not, politische Verfolgung, mitunter aber auch der Verkauf! von Streitkräften zur Aufbesserung der jeweiligen Staatskasse, wie wir es aus der hessischen Geschichte kennen.
Der heutige Beitrag soll nun keine grundsätzliche Abhandlung über die Auswanderun-gen enthalten, sondern will sich mit den Auswanderungen aus unserer Gemeinde be-schäftigen. Zum besseren Verständnis muss noch ausgeführt werden, dass es die heu-tigen Nationalstaaten nicht gab und Aspisheim bis zur französischen Inbesitznahme Ho-heitsgebiet der Kurpfalz war (Leibeigenschaft), ab 1816 als die spätere Provinz Rhein-hessen zu dem Großherzogtum Darmstadt kam. Wir waren letztlich also Hessen, wie in dem abgebildeten Beispiel dokumentiert ist.
Werner Hacker beschäftigte sich in seinem 1987 im Konrad Theis Verlag erschienenen Buch “Auswanderungen aus Rheinpfalz und Saarland im 18. Jahrhundert sehr einge-hend mit den Auswanderungen, u.a. nach Südosteuropa, Ost- und Westpreußen, Pom-mern, Brandenburg und zum Niederrhein. Weitere Hinweise ergeben sich immer wieder aus Rückfragen von Nachkömmlingen der Auswanderer, so auch in diesem Jahr in Zu-sammenhang mit dem Besuch eines David E. Schleif aus West Bend in Wisconsin. Vor Jahren war eine Frau Claudette Mundo-Ittner bei uns zu Besuch.
Einen ersten Hinweis über eine Auswanderung erhalten wir aus einer Eintragung im Kir-chenbuch der Ev. Kirchengemeinde mit folgendem Inhalt: „am 14. Juni 1740 ist Simon Wehr, Schneider, Sohn des verstorbenen Martin Wehr Gemeinsmann zu Wolfsheim mit Maria Catharine, des verstorbenen Gemeinsmannes NN Manubach Tochter getraut worden, “worauf sie beide, mit anderen vielen, nach Pensylvanien zu ziehen, under Be-gleitung eines Testimoni (Zeugen), von Bingen abgereist”.
Leider ist aus diesem Eintrag nicht erkennbar, ob es sich bei den “anderen vielen” um Aspisheimer oder sonstige Leibeigene oder Freie aus der Umgebung gehandelt hat. Dieser Erkenntnis liegt auch ein Kontakt mit einer Mrs. Donna Farmar aus Redwood City in Kalifornien aus dem Jahre 1986 zugrunde.
Zu dem Stamm Manubach ist noch zu ergänzen, dass dieser Familienname bereits im Dalberger Zinsbuch erscheint, u.a von 1544 - 1590 ein Jost von Mannebach, von 1579 - 1611 ein Valentin Mannenbach, sodann 1611 und 1641 4 Personen nämlich, Christ-mann, Abraham, Friedrich und Veltin Peter. Aus anderen Unterlagen ist bekannt, dass Friedrich 1666 Schultheis in Zotzenheim war. Bei dem Vater der ausgewanderten Maria Katharina dürfte es sich von Hans Velten (Valentin) gehandelt haben.
Nicht alle Auswanderer konnten ihr Glück machen. Ein tragischer Fall wird aus einer Nachrichtenübermittlung eines Friedensrichters vom 26. 4.1856 zu dem Auswanderer Heinrich Becker mit folgendem Inhalt deutlich:
Staat New York, Gerichtsbezirk Onandaja erscheint vor mir am 26. 4. 1856 Susanna Becker aus der Stadt Salina in obigem Gerichtsbezirk und nach dem sie von mir beeidigt wurde sagte dieselbe aus und erklärte, sie sei mit Heinrich Becker zu Neu London im Gerichtsbezirk onnida?(s.o.) in obengenanntem Staat im Jahre 1842 kurze Zeit, nach-dem sie in Amerika gelandet sei, bekannt geworden (da er aussagte, erst damals in Amerika angelangt zu sein) und dass besagter Heinrich Becker im Haus des Vaters der Erschienenen Friedrich Arnold seinen Tisch hatte und zwar dies während der Dauer des Winters 1842/1843. Erschienene erklärt ferner, besagter Heinrich Becker habe geäu-ßert, er komme von Aspisheim im Großherzogthum Hessen in der Umgebung von Bin-gen und die Aussagende hat seine Papiere gesehen welche mit Heinrich Beckers Aus-sage übereinstimmten. Erschienene erklärte ferner, dass besagter Heinrich Becker im Laufe des Monats August 1843 zu Neu London im Gerichtsbezirk onnida in einem Teich ertrank und Erschienende sah seine Leiche nach seinem Tod und wohnte seiner Beer-digung bei.
Unterschrift sowie Beglaubigung
Aus den Nachforschungen ergibt sich noch ergänzender Sachverhalt. Heinrich Becker war am 5.6.1811 als Sohn von Heinrich Joh. Becker und seiner Ehefrau Kath. Barbara geb. Weinmann geboren und Jakob Heinrich getauft. Am 1.1.1832 verheiratete er sich mit Julia-na geb. Rang, die am 14.11.1841 verstarb. Aus der Ehe in Aspisheim gingen zwischen 1832 und 1841 5 Kinder hervor, das letzte Kind verstarb offenbar bereits am Tag der Geburt am 21.7.1841. Die Anschrift der Eltern Joh. Heinrich und Kath. Barbara wird 1798 mit dem Haus Nr. 54 -Kirchengass- angegeben.
Heinrich Jakob Becker wollte offensichtlich nach dem Tod seiner Frau 1842 nochmals sein Glück in der Fremde versuchen. Möglicherweise gab es ja dort bereits Verwandte, der Na-me Becker in der New Yorker Urkunde könnte damit in Zusammenhang stehen. Durch den Tod blieben die Kinder allein zurück, der älteste Sohn Jakob I heirate am 12.6.1856 eine Anna Maria Schleif und wohnte in der Provinzialstraße, heute Germaniastraße.
Im Falle des Besuchers David E. Schleif liegt eine Auswanderung von 1850 vor. Es handel-te sich dabei um Georg Schleif, geb. am 3.7.1799, Sohn von Ludwig Daniel Schleif und seiner Ehefrau Susanna Katharina geborene Handschuh aus Armsheim. Georg Schleif war mit Maria Kath. geb. Feldmann ebenfalls aus Armsheim seit dem 27.1.1828 verheiratet und hatte zum Zeitpunkt der Auswanderung 9 Kinder, das Jüngste war gerade 5 Jahre alt. Es waren 5 Buben und 4 Mädchen. Aus weiteren Angaben konnte das Wohnhaus der Auswan-derer ermittelt werden, es handelte sich um das Anwesen Wassergasse 4.
Claudette Mundo-Ittner war am 29.10.1994 auf Spurensuche in Deutschland und in der Schweiz, dabei u.a. auch in Aspisheim. In überzeugender Weise konnte Sie alle Linien der ausgewanderten Brüder Mundo und deren Verzweigung in Amerika einschließlich Familien-bilder nachhaltig darlegen. Hier gingen zu unterschiedlichen Zeitpunkten 3 Brüder bzw. 2 Brüder und 1 Stiefbruder in Amerika an Land. Philipp Mundo, geb. am 22.8.1842 als Sohn von Franz Mundo II und der Anna Margaretha Raas aus Siefersheim war offensichtlich der Wegbereiter. Er heiratete in 1869 in Evansville eine Magaret Pröbstel geboren im Juni 1849 in Darmstadt. Johann (nun John) Mundo folgte 1868 seinem Bruder nach und heiratete am 20.9.1870 in Henderson Kath. Leitner, geb. im Okt. 1848 in Württemberg. John Mundo und seine Nachkommen waren später in Little Rock, Arkansas, zu Hause, der Heimat von Bill Clinton, dem noch amtierenden Präsidenten der USA.
Der Stiefbruder, Franz - Joseph Mundo, war aus der ersten Ehe des Vaters Franz Mundo II mit der Katharina Bertram aus Baden, die bereits am 9.7. 1832 verstarb. Ihn zog es jedenfalls auch nach Amerika, genauere Angaben liegen nicht vor. Er starb am 1. Aug. 1895 in Evansville (IN) und war verheiratet mit einer Katharina, offensichtlich ebenfalls deutscher Abstammung (Preu-ßen), die bereits am 23.10.1889 gestorben war.
Eine großartige Sache für diese Art von Erkundungen und Nachforschungen bietet uns heute das Internet. Mit den verschiedenen Suchmaschinen kann man seine “Verwandtschaft” in aller Welt, aber eben besonders in Amerika, ausloten. Aus der Veröffentlichung von W. Hacker sind für Aspisheim noch folgende Auswanderer belegt, wobei zu beachten ist, dass es sich hierbei nur um eine “Abwanderung” in ein anderes deutsches Land handeln kann, soweit keine weiteren Angaben gemacht wurden.
| 1726 | Werner, Johann | |
| 1729 | Wolff ohne Vorname, Tochter von Philipp (offenbar Verheiratung) | |
| 1729 | Mösler, Johann mit Weib und 2 Kindern | |
| 1731 | Mörbel, Niklas | |
| 1732 | Geyer, Elisabeth | |
| Emig, Adam | |
| 1739 | Schneider, Lorenz | |
| 1740 | Rupert, Gottfried | |
| Manubach, Nicolaus | |
| Schneider, Konrad | AM |
| Rupert Philip mit Weib und 4 Kindern | UN |
| Manubach, Maria & Wehr, Simon aus Wolfsheim | Psy AM |
| 1741 | Schneider, Henrich & Frau | Psy AM |
| Stellwagen, Heinrich Quartus mit Frau & Kindern | Psy AM |
| 1742 | Emig, Agnes | AM |
| 1744 | Becker, Johann Adam mit Frau und 2 Töchtern | |
| 1753 | Tüsch, Johann Karl aus dem Oberamt Bacharach | AM |
| 1755 | Schmitt, Johann | |
| 1756 | Martin, Anna Maria | |
| 1765 | Luff(t), Jakob | NL |
| 1766 | Exel, Martin von Groß-Winternh., 1747 verh. Schlegel, M. Marg. | |
| 1769 | Böhr, Peter | |
| 1775 | Scholl, Lorenz Sohn von Daniel Scholl | PR |
| 1784 | Prißl, Johann, 4 Personen ins Banat | UN |
| 1785 | Bär, Johann über Wien nach Neu-Sivac | UN |
| 1788 | Behr (Bär?), Anna-Elisabeth verh. Bretz, Philad., | AM |
Frieder Hothum
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