Die Dorfschelle
Nummer 18 - Ausgabe Dezember 2000
Neuigkeiten aus dem Gemeinderat, 1899-1900
Rathaus und Gemeinderat
Am 1.7.1900 wir die Pumpe des durch die Wasserleitung überflüssig gewordenen Brunnens vor der Schule -dem heutigen Rathaus- nebst anderen Materialien versteigert.
Für 60 M werden am 5.9.1900 die Arbeiten zur Ausmauerung der Fensterbögen am alten Rathaus mit der Maßgabe vergeben, dass diese bündig mit der Außenfläche wie bei den anderen Fenstern ab-schließen.
Am 1.2.1899 konstituierte sich der neugewählte bzw. teilweise neu-gewählte Rat. Wiedergewählt waren Christoph Hothum, Jakob Huff III und Johann Scholl IX, erstmals gewählt war Wilhelm Becker. Un-verändert gehörten dem Gemeinderat an Friedrich Luff IV, Friedrich Kreutzer. Valentin Becker und Friedrich Weinmann; Beigeordneter war unver-ändert Friedrich Luff VII.
Am 26. August 1900 wurde die Bürgermeisterwahl durch die Ge-meinde auf den 12. Sept. 1900 von 11 bis 14 Uhr festgesetzt. Wie-dergewählt wurde Johann Scholl I (er finge mit den Beizeichen wie-der bei I statt bei fortsetzend X an); er war seit 1891 im Amt.
Schule
Die Wahl des Schulvorstandes erfolgte am 7.12.1898 mit den Herren Peter Becker III, Johann Gruber II und Jakob Huff III.
Die Reinigung der Schule wurde am 18.12.1898 für 3 Jahre an Frau Valentin Huff Wwe. für jährlich 150 M vergeben.
Gesundheit
Das Gehalt der Gemeindehebamme Katharina Wilhelm geb. Scholl wird auf jährlich 20 M zuzüglich 25 Mark pauschal für Desinfekti-onsmittel festgesetzt.
Kerb
Am 15. Aug. 1900 beschloss der Rat, die Kerb an 3 Tagen und zwar vom Sonntag, dem 2. bis zum Dienstag, dem 4. Sept. zu feiern. Der anschließende Satz, dass die Nachkirchweihe gänzlich in Wegfalle kommen soll, ist gestrichen. Offensichtlich wurde die Nachkerb dann doch wieder gefeiert.
Nochmals Wasserleitung
Bereits am 22.11.1897 hatten die Gebrüder Mayer aus Dromersheim um Überlassung von Wasser gebeten, dem zum Preis von 1 M für ein Stück (1200 Liter) stattgegeben wurde. Am 6.12.1899 gestattete die Gemeinde dem Abraham Mayer ebenfalls aus Dromersheim die Übernahme von Wasser, 50 Pf für das Stück. Voraussetzung war “Überfluss” in der gemeindlichen Wasserleitung.
Für eine größere Reparatur an den Quellfassungen und der Ablei-tung wurde am 4.11.1900 eine Darlehnsaufnahme von 2000 M be-schlossen. Die Schäden waren ins-besondere durch eindringendes Wurzelwerk entstanden.
Telefon
Am 18.9.1898 beschloss der Rat einen Zuschuss von 150 Mark, so-fern Aspisheim in das aufzubauende Telefonnetz einbezogen wird. Die Anschaffung der notwendigen Telefonstangen für die Freileitung wollte man auch übernehmen. Am 29.8.1899 wurde dann eine Erhö-hung des Zuschusses auf 320 Mark beschlossen, offenbar besaß der Anschluss an das Telefonnetz der damaligen Zeit eine hohe Priorität.
Straßen
Am 18.12.1898 wurde die Überdeckung des Germaniaplatzes und der Untere Pforte mit Kleinschlag und Kies beschlossen.
Friedrich Hoch erhielt am 18.12.1898 den Auftrag, Wasserlaufgrä-ben für 1,70 M pro Tag auszuheben. Am 21. Jan. 1900 beschließt der Rat, dass der Wasserlaufgraben im Bingerweg mit Reißerwellen und vorgeschlagenen Stickeln stabilisiert wird. Der Graben war of-fensichtlich ausgekolkt.
Am 9.1.1899 wird beschlossen, dass die Kirchgasse im April 1900 vom unteren Ende am Röhrbrunnen bis oberhalb des Fußpfades mit Porphyrsteinen gepflastert wird. Dabei soll die schadhafte Leitung (Wasser) zum Röhrbrunnen mit einzölligem galvanisiertem Rohr er-neuert werden. Der Preis für 1 qm Steine belief sich auf 3,80 M.
Dem Antrag des Krieger- und Soldatenvereines zur Renovierung des Germaniadenkmals zum Gedenken an die Toten des Krieges 1870/71 wird am 13.11.1900 stattgegeben.
Am 17. 4. 1900 wird die Pflasterung der Kirch- und Schulstraße an den Pflasterer Senn aus Gensingen zum Preis von 72 Pfennig pro Quadratmeter vergeben. Andreas Wenz und Georg Ehrhardt erhal-ten den Auftrag zur Lieferung von Sand und Herstellung des Sand-bettes.
Am 26.7.1900 wird beschlossen, die Flächen vor dem Rathaus (al-tes Rathaus), vor der Kirche und des Kirchganges? mit Basaltsteinen II. Güte zu pflastern. Für den Kirchgang sollen schwarze Steine Ver-wendung finden.
Friedhof
Die Reparatur der alten Friedhofsmauer (bei der ev. Kirche) soll im Wege der Ausschreibung vergeben werden.
Am 26.8.1900 wird beschlossen, dass die Bäume auf dem neuen, heutigen Friedhof mit Achterband angebunden werden. Die Linden-bäume in der Mitte des Friedhofes sind also mindestens 100 Jahre alt.
Äcker Weinberge und Gemarkung
Zum 1.9.1899 wird als Feldschütze Johann Ullmer als Nachfolger für den erkrankten Philipp Ehrhardt bestellt. Am 27.12.1899 wurde eine Lokalcommission zur Abwehr und Unterdrückung der Reblauskrank-heit mit den Personen Philipp Rothenmeyer, Peter Dern und Johann Scholl, Sohn von Johann Scholl IX gebildet. Vermerkt ist, dass Ph. Rothenmeyer einen Reblauskurs in Oppenheim absolviert hat.
Am 1.12.1899 fragt das Kreisamt an, welche Schritte zur Parzellen-neuvermessung eingeleitet wurden, da die seinerzeit eingeräumte Frist von 3 Jahren Ende 1899 ausläuft.
Erneut wurde wegen anderer Vorhaben wie Straßenpflasterung um eine Fristverlängerung von 5 Jahren gebeten. In diesem Zusammen-hang erklärte der Gemeinderat dann am 17.4.1900, dass die Parzel-larvermessung bestimmt 1903 begonnen werde. Die sogenannte Feldbereinigung wurde dann Mitte der 30er Jahre vorgenommen.
Weinlese
Die Lesetermine wurden, wie noch bis Anfang der 80er Jahre üblich, örtlich fest- gesetzt. Die allgemeine Lese begann 1898 am 31. Okto-ber, 1899 am 30. Oktober und 1900 am 18. Oktober verhältnismäßig früh. Die Portugieser-Lese wurde in 1899 am 9. Und 17. Oktober er-laubt, 1900 am 11. Oktober. Die heutigen frühreifenden Traubensor-ten waren nicht bekannt, Elbling (Kleinberger oder auch Kleinperkel) und Silvaner (Österreicher) bestimmten den Anbau. Aus dem Lese-beginn lässt sich unschwer erkennen, dass bis Mitte November die Traubenlese anhielt.
Bullenhaltung
Mehrmals wurde der Gemeinderat mit der Bullenhaltung beschäftigt. Zunächst ist zu lesen, dass der Zuchtstier seinen Dienst verweigert. Wörtlich heißt es: „dass der von L. Müller in Obermoschel erworbe-nen Zuchtstier den an ein solches Thier zu stellenden Anforderungen in keiner Weise entspricht, in dem derselbe sich in keiner Weise da-zu bewegen lässt, den Begattungsakt bei dem ihm zugeführten brünstigen weiblichen Thiere auszuführen und dass die mit dem frü-heren Besitzer gepflegten Verhandlungen wegen Zurücknahme bzw. Umtausch des betreffenden Thieres zu keinem Ergebnis geführt hät-ten“. Der Bürgermeister wurde mit der Durchführung einer Klage be-auftragt. Am 6.12.1899 teilt der Bürgermeister den gewählten Klage-vertreter mit und weiterhin, dass der zuständige Kreistierarzt von ei-ner Klage abrate, da nach seiner Meinung der Bulle gut gebaut sei und zum Sprung veranlasst werden könnte. Der Rat blieb jedoch bei seiner Klageentscheidung. Am 14.3.1900 beschließt der Rat, dass den Gebr. Schmuck die Bullenhaltung übertragen wird, Bullenwärter bleibt H. Leyendecker für jährlich 150 Mark. Zusätzlich soll von Juli bis Oktober einschließlich eines 3. Bullen für jährlich 1200 M gehal-ten werden. Offenbar gab es viel zu tun. Letztlich wird am 24.3.1900 der Bürgermeister beauftragt, den untauglichen Bullen zu verkaufen. Konkrete Hinweise über den Prozessausgang waren nicht zu erkennen.
Frieder Hothum
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