Die Dorfschelle
Nummer 18 - Ausgabe Dezember 2000
Das Gebäude der evangelischen Kirche in jüngerer Zeit
Das heutige Langhaus wurde 1824 gebaut. Die entsprechende Bauakte ist offenbar durch die letzten Kriegswirren verloren gegangen. An anderer Stelle war zu lesen, dass der Vor-gängerbau, errichtet 1756-1758, einem Brand zum Opfer fiel. Das Kirchenschiff ist in Ost-Westrichtung ausgerichtet.
Von 1962 - 1965 wurde nach langer Zeit wieder einmal eine Renovierung der Kirche vorge-nommen. Der 1897 eingebaute Chorabschluß wurde wieder entfernt. Die beiden Holzempo-ren wurden entfernt, ebenso die Empore an der Ostseite mit der darauf stehenden Orgel. Die Orgel wurde auf die in Betonbauweise errichtete neue Empore an der Westseite versetzt. Das Gestühl als auch die Decke wurden erneuert. Eine weitere Renovierung fand 1995/97 statt. Dabei ging es vorrangig um die Sicherung der in den sechziger Jahren freigelegten Wandmalereien im Chor und um die Restaurierung der Dreymann Orgel.
Chorraum
Wie sich aus dem Bericht von Diehl ergibt, war der Turm in seiner ursprünglichen Art aus dem 13. Jahrhundert in romanischer Bauweise weitgehend erhalten geblieben. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass bei der Renovierung 1962/65 Fresken aus verschiede-nen Epochen gefunden und freigelegt werden konnten. Bei der Restaurierung 1996 wurde eine weitere Rankenmalerei an der Ostwand unter dem Bogen freigelegt. Aus den Malereien ergeben sich die folgenden Darstellungen:
Gewölbe
Ein Kreuzrippengewölbe ist angedeutet, das aufgemalt ist und durch den Schlussstein in der optischen Wirkung ergänzt wird. In den vier Gewölbeteilen finden sich die Symbole für die vier Evangelisten. Der Engel steht für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes. Der Hintergrund ist mit Rankenmalerei bedeckt, die Darstellungen mit Schriftbändern versehen.
Nordwand
Hier sehen wir eine Vielfalt von Fresken. Links unten neben dem Türbogen ist eine Darstel-lung des ehemaligen Kirchenpatrons Martin zu sehen, Martin von Tour. Er reitet auf einem Pferd und teilt gerade seinen Mantel.
Erkennbar ist, dass die Malerei nicht mehr vollständig ist. Insofern ist offenbar von dem üblicher-weise mitdargestelltem Bettler nichts zu sehen.
Im oberen Teil befinden mehrere bildliche Darstellungen, die nur noch teilweise erhalten sind. Gut erhalten ist in einem Bild das Gleichnis vom armen Lazarus und dem Reichen. Der Reiche stirb auf dem Bett in einer Säulenhalle und ist von Menschen umgeben. Teufel sind um ihn her-um, um beim Tod sofort seine Seele aufzufangen. Der Arme darüber stirbt unter freiem Himmel auf der Erde. Kein Mensch ist bei ihm, kümmert sich um ihn. Teufel versuchen seine ausge-hauchte Seele, dargestellt als kleine Menschenfigur im Kopfbereich, zu fangen. Aber Engel kommen ihm zuvor und tragen die Seele des Armen in den Himmel.
In einem weiteren Bild tritt eine Gestalt durch eine Tür. Der Rest des Raumes oder was es immer gewesen sein mag, ist nicht mehr erkennbar. Am oberen Bildrand ist eine Kirche zu erkennen. Dieses Bild wurde auch schon in Verbindung mit der daneben liegenden Ausgangstür zum frühe-ren Kirchhof (Friedhof) gebracht.
Ostwand
In der Ostwand befindet sich ein sehr beeindruckendes Bild, die Figur des Schmerzenmannes in der Fensterlaibung. Christus hat die Arme gehoben und die Wundmale sind deutlich zu sehen. Auf den Seiten sind die Marterwerkzeuge Leiter, Lanze und das Rohr mit dem Schwamm sowie eine Geißelsäule zu sehen. Vom Querbalken des Kreuzes hängen Geißel und Rute herab. Er-kennbar sind auch Sterne, die die Dunkelheit während des Todes Jesu darstellen.
Links des Fensters sind zwei Frauengestalten zu sehen. Eine stellt die hl. Barbara dar, erkenn-bar am typischen Turm in der Hand. Es wird auch angenommen, dass die Gestalt erst später als Barbara “restauriert” wurde und vorher die gekrönte Gestalt der “Ekklesia”, die Kirche, darstellte. Die rechte Frau im schwarzen Kleid stellt dann die “Synagoge” dar.
Rechts des Fensters finden sich zwei Heiligenfiguren. Die linke Figur hält ein Salbeigefäß in der Hand, ein Hinweis auf Maria Magdalena.
Südwand
Hier ist nur noch wenig erhalten. Wahrscheinlich wurde beim Umbau der Turmbauspitze mit sei-ner heutigen barocken Haube das dort vorhandene barocke Fenster durch die Mauer gebrochen und damit die vorhandenen Malereien weitgehend zerstört. Rechts ist nochmals eine Darstellung der hl. Barbara mit dem Turm zu erkennen.
Kirchenschiff
Die Renovierung von 1965 hatte den Raum völlig verändert, Schlichtheit war seinerzeit die Maxime und stand dabei im Gegensatz zu den Malereien im Chor.
Ziel der 95er Renovierung war es, das Kirchenschiff weitgehend in den Zustand zu ver-setzen, wie es vormals aussah. Die bei der 65er Renovierung hinter der weggenomme-nen Orgel zu Tage getretene Quaderung wurde nun auf das ganze Kirchenschiff über-tragen. Die großen Flächen konnten so gut gegliedert werden. Ein Zeitzeuge berichtete kürzlich, dass nach seiner Erinnerung hinter der Orgel die Jahreszahl 1755 auf der Wand aufgemalt war. Grundlage für die heutige Sternendecke war die Überlieferung, dass die frühere Decke aus blauen Kassetten mit aufgemalten Sternen bestand.
Die freitragende Empore bekam wieder Stützen. Bei dem Ausbau 1965 fanden die alten Emporepfosten Verwendung für einen landwirtschaftlichen Zweckbau, sie wurden wieder für den ursprünglichen Zweck, wenn heute auch nur optisch zur Verfügung gestellt.
Orgel
Unsere heutige Orgel wurde im Jahre 1836 von Bernhard Dreymann aus Mainz erbaut. Das ergibt sich aus der entsprechenden Aufschrift aus der Windlade. Die Vorgängerorgel wurde nach Mainz-Zahlbach an die dortige katholische Gemeinde verkauft. Eine Vermitt-lung durch Dreymann kann vermutet werden. Die Orgel ist in Teilen noch so dort erhal-ten. Ein aufmerksamer Alt-Aspisheimer und Neu-Mainzer stellte uns vor einiger Zeit eine entsprechende Veröffentlichung in der AZ zur Verfügung.
1897 wurde die Orgel mit zwei neuen Registern ausgestattet bzw. ausgetauscht. 1917 wurden die Prospektpfeifen für Rüstungszwecke eingezogen und erst 1930 durch Zink-pfeifen ersetzt.
1997 wurde die Orgel grundlegend restauriert. Die 1930 eingesetzten Zinkpfeifen wurden dabei wieder durch Zinnpfeifen ersetzt.
Frieder Hothum
|