Die Dorfschelle
Nummer 19 - Ausgabe Dezember 2001
Sportplatz; gestern, heute, morgen
Jeder ist wohl aktiv oder passiv im Lauf seines Lebens mit einem Platz
zur Ausübung von Sport und Spiel in Berührung gekommen, er war und ist
sozusagen fester Bestandteil im Leben. Die sportlichen Anfänge liegen in
der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die sporttreibenden Vereine,
insbesondere die damaligen Turnvereine, entstanden und kritisch durch die
seinerzeitige Obrigkeit gesehen wurden und sehr oft unter Beobachtung
standen bzw. sogar konkret verboten waren. Öfters verbargen sich unter
dem Deckmantel von Vereinen politische Gruppierungen, die das Gedankengut
freiheitlicher demokratischer Bewegungen an erster Stelle stehen hatten,
selbstverständlich auch Sport, Gesang o.ä..
Im Gemeindearchiv gibt es Schriftstücke zu Anfragen der
großherzoglichen Verwaltung über örtliche Aktivitäten.
Die Aktivitäten beschränkten sich damals auf die Turnerei, insofern
gab es erstmals auch einen Turnplatz. Der befand sich hinter dem heutigen Kindergarten im sich unmittelbar
anschließendem Gartengelände und war teilweise befestigt. Teile der
Befestigung konnten beim Ausbau des heutigen Gartenausganges festgestellt
werden, es handelte sich offensichtlich um Sandsteinplatten. Im
Fluchtlinienplan von 1893 ist der Sport(Turn)Platz vor dem heutigen
Rathaus zu finden, seinerzeit die 1880 erbaute zweite Schule.
Wie lange dieser Platz so bestand ist nicht genau bekannt, mit dem Bau
der Turnhalle dürfte das Ende dieses "Open-Air" Platzes
gekommen gewesen sein.
Seitens des damaligen Turnvereins wurde die Turnerei gepflegt, langsam
wurde jedoch die Sportart Handball populär und fand hier seine Anhänger.
In den Zwanzigern gründete sich dann ein eigener Verein, der später auch
die Turnerei ausübte.
Nun wurde ja für den Feldhandball ein Platz gebraucht, der auch
schnell gefunden wurde. Er lag im Bereich der unteren Germaniastraße in
westlicher Richtung und in der Ausdehnung in der gleichen Windrichtung. Er
Begann unmittelbar hinter dem heutigen Anwesen Bausmann, in etwa auf der
Höhe der Trafostation. Das Grundstück stammte aus dem Besitz der Familie
Hepp.
Ein Bild aus der Gründerzeit zeigt eine der ersten Mannschaften dieses
Vereins mit dem Namen Sport und Spielgemeinschaft Aspisheim. Ein weiteres
Bild zeigt die Mannschaft von 1937/1938. Ein Teil der Personen war bis in
die 50er Jahre aktiv, wie dem Verfasser noch lebhaft in Erinnerung ist.

vergrößern

vergrößern
Fahren Sie mit der Maus über die Bilder, um die Namen zu sehen.
Ein weiteres Zeitdokument stellt ein Schreiben der Vereinigung Deutsche
Turnerschaft vom 27. Nov. 1933 dar, in dem die Zwangsvereinigung der
beiden Sporttreibenden Vereine dem damaligen Zeitgeist entsprechend zum
Turn- und Sportverein angekündigt wurde.
Deutsche Turnerschaft
3.Bez.Rheinhessen;Kreis I Bingen(Rhein),den
27.XI.33.
Kreisdietwart
Liebe Turnbrüder
Der Bezirksführer hat mich, als den früheren Kreisführer des
Kreises Bingen,XXXXX durch den Kreisführer beauftragt die Zusammenlegung
eurer beiden Vereine bis Ende des Jahres herbeizuführen.Es ist wohl
selbstverständlich, dass heute an einem Orte wie Aspisheim
keine zwei Vereine mehr nebeneinander bestehen können,und ich
weiss dass unsere Turnbrüder viel zu tief in die Gedankenwelt
des Nationalsozialismus und unseres verehrten Führers und
Volkskanzlers eingedrungen sind,als dass sie nicht die
Unhaltbarkeit eines derartigen Zustandes einsehen und
wissen,dass heute alles was früher einmal Grund zur Trennung
war hintenanstehen muss.Für uns Turner kann es nur eines
geben, ein geeintes deutsches Volk ,eins mit seinem Führer
und nur eine einige D.T. Zur Durchführung des mir erteilten
Auftragse ist folgendes erforderlich:Die Führer der beiden
Vereine halten diese Woche eine Besprechung mit ihrem Turnrat
über die bei dem Zusammenschluss zu treffenden Vereinbarungen
ab.Am Samstag, den 2.Dezember 1933 (16 Uhr) findet in der
Turnhalle in Aspisheim eine gemeinsame Sitzung der beiden
Turnräte unter meiner Leitung statt,in welcher wir in aller
Ruhe und Sachlichkeit das für und gegen eines
Zusammenschlusses besprechen und das weiter erforderliche
vereinbaren können.Ich habe den Zeitpunkt so gewählt, damit
ich zwischen Ankunfts-und Abfahrtszeit des Omnibus,also bis
19,.Uhr die Besprechung durchführen kann.Sollten
schwerwiegende Bedenken dem entgegen stehen,so bitte ich um
rechtzeitige Nachricht(gegebenenfalls in der Zeit von 8-12 und
14-18 Uhr fernmündlich Amt Bingen 2846 oder 2847) Da ich in
der nächsten Woche sehr stark in Anspruch genommen bin,bitte
ich nur im allerdringendsten Falle eine Verschiebung
herbeizuführen.Eine besondere Bestätigung ist nicht
erforderlich.Also l.Turnbrüder frisch auf zur einigenden Tat.
Mit deutschem Turnergruss
Kreisdietwart
Zum ersten Sportplatz berichten Zeitzeugen, daß das Tor auf der
Gegenseite aufgrund des großen Gefälles nicht vollständig zu sehen war,
es stand tiefer. Hier lag sicher ein "Heimvorteil".
Im Zuge der Feldbereinigung in den 30er Jahren konnte nun ein neuer
Sportplatz ausgewiesen und ohne Gefälle hergestellt werden. Außerdem
konnte er ideal unmittelbar zur Turnhalle verlegt werden. Hier erlebt der
Aspisheimer Handball mit zahlreichen Meisterschaften seine Höhepunkte,
u.a. auch die Rheinhessenmeisterschaft in der Jugendklasse. Mit dem
Wegfall des Feldhandballes nahm schlagartig die Platzbedeutung ab, die
sportlichen Aktivitäten wurden über eine Spielgemeinschaft in der Halle
fortgesetzt. Letztlich wurde der Platz immer mehr aus dem Freizeitbereich
heraus genutzt, Schulsport fand dort schon lange nicht mehr statt.
Mit dem neuen Platz in anderer Ausgestaltung wird nun der dritte Platz
für Sport und Spiel zur Verfügung stehen und nach den heutigen
Bedürfnissen und Gewohnheiten letztlich hergerichtet sein.
Frieder Hothum |