Die Dorfschelle
Nummer 19 - Ausgabe Dezember 2001
Aspisheimer St. Martinskapelle
In der Dorfschelle Nummer 18, Ausgabe Dezember 2000 wurde aus dem Baubuch
der Ev. Pfarreien Rheinhessen über die Situation der heutigen Ev. Kirche
im 18 Jahrhundert berichtet.
Im Zuge der Reformation bzw. der Kirchenteilung in der Pfalz im Jahre
1705 fiel die einzige Aspisheimer Kirche endgültig den Reformierten zu.
Die Katholiken hatten nun ebenso endgültig keine eigene Kirche mehr und
besuchten daher die Gottesdienste außerhalb der Gemeinde, meistens in
Drormersheim. Ein Mitbenutzungsrecht gab es nicht. Seit 1756 war der
Pfarrer in Sponsheim, Johann Meyer, für die Katholiken zuständig; dort
wurden dann auch die Geburts- bzw. Taufbücher, Hochzeits- und
Sterbebücher geführt. Als aber im Jahre 1758 neue Glocken mit
Unterstützung der Gemeinde gekauft wurden, sollte eine Glocke für den
gemeinsamen Gebrauch bestimmt sein. Bei Begräbnissen und Hochzeiten wurde
mit dieser Glocke auch für die Katholiken geläutet, Bei Prozessionen
oder anderen "katholischen" Feiertagen verweigerten die
Protestanten jedoch das Geläut.
In
der Situation eines fehlenden Kirchenhauses war die Kath. Gemeinde
aber für die damaligen Verhältnisse nicht lange. Verschieden sind die
Berichte über die Art des Erwerbes. Zu lesen war, daß es sich um die
Schenkung eines Bürgers gehandelt hätte. Ebenso zu lesen ist auch, daß
das spätere Gotteshaus gekauft worden sei. In der Festgabe zur Einweihung
der heutigen St. Martinskapelle wird berichtet, daß die Kath. Gemeinde um
1740 (anderweitig wurde 1736 konkret genannt) auf Anregung des
langjährigen (über 30 Jahre) Schultheißen Franz Gruber ein Privathaus
gekauft hätte. Es ist in diesem Zusammenhang ein Pfarrer mit Namen Meyer
erwähnt. Unklar ist, ob es sich um den selben Johann Meyer handelt, der
1756 - vorher Kaplan in Mannheim- als erster Pfarrer der neuen Kath.
Kirchengemeinde Sponsheim wurde.
Das Gebäude (vergrößern)
wurde später mit einem Dachreiter zur Aufnahme der Glocke
versehen. Im unteren Stock sprich Erdgeschoß befand sich die Schule samt
Wohnung für den Lehrer. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Schulen
regelmäßig in Kirchenhand. Im Obergeschoß befand sich der Kirchenraum,
der rund 50 Personen Platz bot. Der Altar wurde wieder dem hl. Martin
geweiht. Die frühere Kirche war, wie viele Kirchen in unserer Gegend, dem
Martin von Tour gewidmet.
In der Festgabe wird auch berichtet, daß zur Feier der hl. Messe als
Altargerät nur zwei "miserable uralte Leuchter" und ein
"zinnernes Ziborium" vorhanden seien. Ein Kirchenfähnlein für
Prozessionen, selbst Wachs für die Kerzen hätten gefehlt. Für die
Anschaffung solcher "Utensilien" seien schließlich durch die
geistliche Administration in Heidelberg jährlich 6 Gulden genehmigt
worden. Pfarrer Meyer hätte aber gerne ein neues Kirchlein gehabt.
Bei einer ersten Kollekte für einen Kirchenbau brachten die
"jungen Mädchen durch singen" 7 Gulden herbei. Auch sonst ging
wenigstens so viel ein, daß in den Jahren 1766/68 das neue, aber dennoch
alte Kirchlein erneuert werden konnte. Der kath. Schulmeister Josef
Ferdinand Butz fuhr 1770 im Gemeindeauftrag zur kurpfälzischen Regierung
nach Mannheim, um ein Kirchenkollektenpatent und nach Heidelberg zur
geistlichen Administration, um dort Paramente (Altargegenstände,
Meßgewänder) zu erhalten bzw. darum zu bitten. Bei J.F. Butz handelte es
um einen Lehrer, der aus Heidelberg nach Aspisheim kam und der Urahn aller
Aspisheimer Butz'e ist. Im Jahre 1771 konnte dann eine Kirchenfahne
angeschafft werden, 1772 wurde in Bingen der alte Zinnbecher gegen neue
Meßkännchen getauscht. Den Grundstock zu einem eigenen Kirchenvermögen
legte Pfarrer Meyer selbst, indem er für ein Jahrgedächtnis 150 Gulden
vermachte. Johann Meyer war seit 1783 Dekan des Algesheimer Landkapitels,
er verstarb am 20. 1. 1786.
Sein Nachfolger Scharvogel arbeitete auch erfolgreich. In seiner Zeit
es gab einen neuen Altar, eine neue Monstranz und aus seiner alten Pfarrei
Wirbelingen ein Rauchfaß. Für 30 Gulden konnte er von den Franziskanern
aus Bayerfeld ein "Orgelgen" mit vier Registern erwerben, das
der Schulmeister Butz mit seiner eigenen Fuhre abholte. Der bekannte
Orgelbauer Stumm richtete es für 12 Gulden neu ein, der Raum war nun
würdig und auch vollständig.
Im Zusammenhang mit der franz. Revolution wurde im Jahre 1803 die
Pfarrei Sponsheim wieder aufgehoben und die Kath. Gemeinde Aspisheim kam
wieder - bis heute - zur Pfarrei Dromersheim.
In der Folgezeit wurde keine regelmäßiger Gottesdienst mehr
abgehalten, der Pfarrer aus Dromersheim versah altersbedingt nur noch
bestimmte Messen wie z.B. Kirchweih, Jahrgedächtnisse, Fastenandachten
und ähnliche Anlässe.
Die Kapelle und der Schulsaal waren 1851 für 160 Gulden, 1856 für 210
Gulden repariert worden. Aber bereits 1860 wurden erneut Reparaturen
erforderlich. Eine größere Kollekte wurde mit Hilfe von Philipp
Hieronymus III, Peter Joseph Gruber, Johann Reiber und Franz Deutsch
durchgeführt, ein beachtliches Ergebnis von 264 Gulden und 24 Kreuzer kam
zustande. 1867 war das Türmchen baufällig, 1872 wurden die Fenster
vergrößert und erneuert.
Wie schon erwähnt, war im Erdgeschoß die Kath. Schule untergebracht.
In Aspisheim war seit 1829 die Kommunalschule unter Aufhebung der
kirchlichen Schulen eingeführt. Diese befand sich in einem 1827
errichteten Neubau in der heutigen Schulstraße Nr. 5 -heute Focht -. In
einer Gemeindeabstimmung von 1859 wurde aber nach einmütiger Entscheidung
die Konfessionsschule wieder eingeführt.
Der vorhandene Schulsaal war jedoch für den Unterricht nicht geeignet
bzw. reichte das Schulgut von 5 Morgen Äcker und einem Morgen Weinberg
neben dem Schulkapital von 1508 Gulden nicht zur Lehrerbesoldung aus. Die
Kinder mußten dann bis 1867 nach Dromersheim zur Schule gehen bis es dann
gelang mit vielerlei Unterstützung das jährliche Gehalt für einen
Schulanwärter von 300 Gulden sicherzustellen. Wegen der geringen
Kinderzahl wurde sie aber 1875 durch das Kreisamt in Bingen nach
örtlichen Verhandlungen wieder aufgelöst und wieder gemeinsam
unterrichtet. Durch die Übernahme der Schullasten ging auch das Kath.
Schulgut in Gemeindebesitz über. Dabei wurde vereinbart, daß der zweite
Lehrer katholisch sein sollte. So war es fast bis zur Auflösung der
Schule, die jeweiligen Lehrer versahen auch teilweise den schulischen
Religionsunterricht. Im Jahre 1880 wurde ein weiteres Schulhaus in der
oberen Schulstraße gebaut, unser heutiges Rathaus. 1894 verzichtete die
Zivilgemeinde auf ihr Mitbenutzungsrecht am kath. Schulhaus, wofür ihr
von der Kirchengemeinde eine Ablösung von 1200 Mark vergütet wurden. Die
Kath. Kirchengemeinde konnte von nun an wieder uneingeschränkt über
diesen Besitz verfügen und man fing wieder sofort mit der Kapitalsammlung
für eine neue Kapelle an. Sowohl die nach dem ersten Krieg als auch nach
dem zweiten Krieg notwendige Währungsreform machten die jeweiligen
Ansammlungen zu nichte.
Das alte Kirchlein war trotz weiterer Reparaturen baufällig geworden.
Hinzu kam, daß die kath. Gemeinde durch die kriegsbedingten Zuzüge
größer geworden war und der Platz selbst nicht mehr reichte. Nun hieß
es wieder, für eine Zeitlang nach Dromersheim zur Kirche zu gehen.
Nur eine Zeitlang deshalb, weil Pfarrer Valentin Hain mit großem Elan
und Unterstützung der gesamten Kirchengemeinde daran ging, das so lange
anstehende Projekt eines Neubaus nun endlich zu verwirklichen. Bereits am
4. März 1951, noch keine 3 Jahre nach der Währungsreform vom 20.6.1948,
wurde der Grundstein gelegt. Dem ging der erste Spatenstich vom 27.
Februar 1951 voraus. Den Bauplatz schenkte die Gemeinde aus dem ehemaligen
Kath. Schulgut der Kirchengemeinde.
Bereits am 21. Juli 1951 erfolgte die Konsekration der
Sankt-Martinus-Kapelle durch Bischof Dr. Albert Stohr
(vergrößern). Dem Kirchenbau
wurde ein Pfarrhaus angegliedert, in dem später Pfarrer Valentin mit
seinen Geschwistern seinen Lebensabend verbrachte. Der Verfasser kann sich
gut an diesen gütigen und auffallend frommen Menschen erinnern. Das Bild
eines dunkel gekleideten Menschen mit dem Gebetbuch fest in betenden
Händen durch die Gemarkung gehend steht heute noch deutlich im Raum. Wenn
es mit der Lauferei nicht mehr so klappte, machte er gerne von dem
jederzeitigen Angebot Gebrauch, den Rest der Strecke als
"Beifahrer" auf einem Pflugskarren nach Hause geschockelt zu
werden. Nur bei einem außerordentlich anderen Gesprächsstoff ließ er
von seinem Brevier ab. Er war in der gesamten Gemeinde hoch anerkannt.
Pfarrer Valentin Hain verstarb am 18.2.1965 und wurde in der Kirche
beigesetzt.
Die 50. Wiederkehr wurde am 18. 7.d.J. mit Pfarrer Paul Hildenbeutel in
einem Festgottesdienst begangen. An diesem Tag gab es viele Zeitzeugen,
Rupert Butz und Alois Gruber sollen hier zu Wort kommen und können über
die Bauzeit aus der Erinnerung berichten.
"Der damalige Pfarrer Valentin Hain hatte mit enormen
Engagement und persönlichem Einsatz diese Projekt gefördert. Auch die
Beschaffung der finanziellen Mittel war nicht einfach. Es darf nicht
vergessen werden, daß Pfarrer Hain und seine Geschwister einen Großteil
ihrer Ersparnisse zur Finanzierung, vor allen Dingen des Pfarrhauses,
beigesteuert haben. Die unentgeltlich arbeitenden Bauhandwerker aus
Ober-Erlenbach unter der Leitung von Jakob Scheurich wohnten hier und
wurden in kath. Familien verköstigt. Die Erd- und Ausschachtungsarbeiten
wurden in Eigenleistung als Handarbeit erbracht. Als Aufenthalts- und
Frühstücksraum stellte der Lehrer Jakob Keller in seinem Haus in der
unmittelbaren Nachbarschaft einen Raum zur Verfügung.
Als Bauhelfer waren dabei: Jakob Butz, Peter Butz, Rupert Butz, Heinrich Christian, Alois Gruber,
Peter Gruber, Philipp Gruber, Phil. Josef Gruber, Hans Hieronymus,
Leonhard Hieronymus, Jakob Hieronymus, Philipp Huff und Otto Paul.
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Außerdem wurde am 21.7.2001 berichtet: "Bei so vielen Maurern und Helfern gab es auch Durst."
Von vielen Winzern wurde Wein gestiftet. Wenn dieser Wein denn mal
ausging, half Pfarrer Hain direkt aus. Er schickte die
damals 12-jährigen Mädchen Marianne Dickescheid und Brigitte Butz mit
dem Handwägelchen zum Pfarrhaus nach Dromersheim um Nachschub zu holen.
Ob das darauf befindliche 100 Liter Fäßchen dann auch voll war ist nicht
mehr auszumachen.
Der Tag der Einweihung wurde im Saal der Gaststätte Butz festlich mit
Tanz gefeiert. Abschließend wird ein Auszug aus dem Kirchenbuch von 1951 zitiert mit
der Überschrift:
"Das Jahr des Aufbruchs in Aspisheim!"
Klar sei herausgestellt: Entweder man schreibt Aspisheim trotz seiner
150 Katholiken, die alle mehr oder weniger gefährdet sind, ab oder gibt
die 50 Katholiken in Horrweiler erst recht preis oder es wird ernst
gemacht. Die alte Kapelle ist mehr als 25 Jahre außer Gebrauch. Es sind
sonntags in Dromersheim aus beiden Orten kaum mehr als ein Dutzend
Gläubige zu sehen. Nach der Mission sind beim Gottesdienst, der alle
Monat einmal bei Bertram Mai, Germaniastraße 2, stattfindet, doch nach
und nach bis zu 80 Personen erschienen. Das ist ein Fingerzeig Gottes. Der
erste Bauplan ist durch die Ablehnung eines Teiles der Familie Mai
(Bertram), die den Bauplatz schenken wollte (heute Germaniastraße 5
Gruber), nach langen vergeblichen Bemühungen fallen gelassen worden.
Überraschend hat dann die Zivilgemeinde den heutigen Bauplatz (kath.
Schulgut) unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Frieder Hothum |