Die Dorfschelle
Nummer 20 - Ausgabe Dezember 2002
Gespenster in Aspisheim
an einem Sonntag vor etwa 50 Jahren
Früher - ja, Ihr lieben Leut' -
War vieles anners als jetzt heut!
Auto? ... nein! um fort zu kommen
hat man den Weg zu Fuß genommen.
Wingert, Feld und Vieh macht Mühe
mer hatte Hinkel, Schweine, Kühe.
Auch sonntags ging es in de Stall:
Die Milch muss weg, ein klarer Fall.
Schnell ab zur Sammelstell', zur Kühlanlage;
Uns macht's Spaß, die Kann' hinzutrage,
denn da ist immer etwas los,
auch Neuigkeiten schreibt man groß.
Zum Milchhäuschen hin, da ist es nicht weit,
doch dort brauchte man oft echt viel Zeit -
wir Mädchen haben erzählt und gelacht,
heut' hat die eine ihre Cousine mitgebracht:
"Die muss gleich heim nach St. Johann,
ich bring' sie nachher noch zur Bahn.
Hinunter den Weg sind wir ja zu zweit -
Doch heim!? - Wer geht mit? Wer ist bereit?"
Vier Kilometer hin ... und viere zurück!
S'hat keiner Lust im Augenblick.
"Wir holen dich ab! Das steht fest,"
und winken ihr zu, wie sie uns verlässt.
Dann ein kurzes Beraten: "Ab, mach schnell -
Wir treffen uns wieder an dieser Stell!"
Was haben die Mädchen ausgeheckt?
Hat's jemand gehört ... der sich versteckt?
Den Weiler Weg wollten wir runterlaufen,
bis ganz unten rechts, zum Rebwellenhaufen.
Auch die Hildegard kam, unterm Arm geklemmt
von ihrer Oma das langärmelige Hemd.
Das zog sie an, klettert den Wellenberg rauf;
wir aber verstecken uns hinter dem Hauf';
probten Geisterstimmen, s'hat Spaß gemacht,
dazu wurd' es dämmrig ... bald Nacht.
Ein Jux sollt' es sein; bloß - wir wurden erkannt,
also: so die Überraschung verlief im Sand.
Der Stimmung hat's keinen Abbruch getan,
ausgelassen traten den Heimweg wir an.
DANN DIESER GRAUS ... OH! DIESER SCHAUER!!!
Auf der düst'ren Friedhofsmauer
Zwei weiße Gestalten -
da gab's kein Halten;
Oje - der Schreck!
Wir müssen weg!
Wir sind gerennt
wie wenn's brennt
die zwei hinter uns her -
da schreie mer noch mehr -
und dann sind sie fort!
Das Geschrei hört mer weit
drum im Ort steh'n die Leut'
vor de Tore, an de Fenster -
"Was ist los? - Gespenster - Gespenster!"
Doch die beiden Spukgestalten die uns belauscht' haben dichtgehalten;
der große und der kleine Genosse
machten unser Spiel zur eigenen Posse!
Nicht eine von der ganzen Schar
weiß nachher, wer das wirklich war.
Die haben so heimlich es angepackt,
vom Anfang bis hin zum letzten Akt.
Alle war'n wir damals jung,
für mich 'ne froh Erinnerung.
Macht weiter so, dann wird es gut,
seid lieb gegrüßt von eurer Ruth!
Ruth Sparschuh |