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Die Dorfschelle
Nummer 20 - Ausgabe Dezember 2002
Göttliche Weingedanken
So manchmol wenn ich kurz vor Nacht,
mei Dachwerk hinner mich gebracht,
du ich bis weile Luscht verspüre,
e Fläschche Wei noch zu probiere.
Wenn ich dann Glas um Gläsche tanke,
komme mer mancherlei Gedanke,
dann du ich gern philisophiere
un mit mir Selbstgespräche führe.
So hab ich neulich nachgedacht,
warum de Gott de Wei gemacht?
Un wie ich so im denke bin,
kam folgendes mir in de Sinn:
Ich glab, dass ach de liebe Gott,
die heilig Schrift gelese hot.
Denn, woher hätt der sonst gewißt,
daß Wein Freudenspender is!
Es steht im Psalm Hunnertvier,
er soll als Lebenselexier,
nebst Brot der Wein
(sprich Weck, Worscht und Wein)
des Menschen Herz erfreun.
Um nun de Schrift gerecht zu werde,
hat er, als er erschuf die Erde
un dann de Mensche rief ins Lewe,
de Wingert ihm an Hand gegewe.
Zur Freud, wie es geschriwwe steht!,
doch wie's so oft im Lewe geht,
hat auch de Herrgott net bedacht,
was son en Wingert for Arbeit macht.
Un was da steht in den Episteln,
von Dornen, Hagel, Frost und Disteln
in Moses eins Kapitel drei,
das war dem Hergott einerlei.
Vom Schweiße in dem Angesicht
Ich glaub' da las der Hergott nicht!
Die Seit hat in seim Buch gefehlt,
un deshalb hat er sich verzählt!
Harte Arbeit für die Knoche,
nix 35-Stunden Woche,
de Winzer hot dovon die Plag,
de 35 Stunne Dag.
Hermann Braun |