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Die Dorfschelle
Nummer 22 - Ausgabe Dezember 2004
Bezeichnung gleichnamiger Ortsbürger
Es war Familientradition, bestimmte Vornamen wie Johann
(Jean), Jakob, Friedrich etc. etc. immer wieder an Nachkömmlinge
sozusagen weiterzugeben. Eine andere Tradition war es,
allen Kindern, insbesondere den männlichen Kindern, einen
einheitlichen 2. Vornamen wie Johann beizugeben. Der erste
Vorname war dann regelmäßig der Vorname des Paten oder
auch der Patin. Dass dies zu Verwechslungen führte, liegt auf
der Hand. Daher war und ist es, wenn auch in weit geringerem
Umfang, bis zum heutigen Tag Usus, ein so genanntes
Beizeichen zu vergeben, z.B. Heinrich Johann Becker IX (9).
Üblich war die Beizeichenangabe in römischen Ziffern.
Exemplarisch für die Beizeichenanzahl ist der Name Becker
mit allen alten Vornamen-Variationen in Mainz-Finthen, bis in
die 20er Zahl gehend. Zweistellig wurde es in Aspisheim nur bei
einer Namensgebung, nämlich Scholl, Johann. An sich wäre
die Zahl XI (11) erreicht worden. Aber ein Namensträger hat
dies wohl abgelehnt bei ihm ging die Zählung wieder von vorne,
also I, los. Es handelte sich dabei um den langjährigen Bürgermeister
Johann Scholl der X respektive dann der I.
Grundlage für diese Beizeichenvergabe, an deren Vergabe insbesondere
überörtliche Ämter z.B. die Finanzämter, ein großes
Interesse hatten, war eine erweiterte Anordnung des großherzoglichen
Ministeriums der Justiz zu Darmstadt vom
6. Oktober 1859. Die Anordnung lautete anfänglich wie folgt:
Wir finden uns veranlaßt, zur Ausführung der bestehenden
Bestimmungen über die Bezeichnungen gleichnamiger Ortseinwohner
nachstehende weitere Vorschriften für die Beamten
der freiwilligen Gerichtsbarkeit in der Provinz Rheinhessen,
sowie für die Großherzoglichen Steuercommissariate und
Bürgermeistereien daselbst zu ertheilen:
1. Wenn ein gleichnamiger Ortseinwohner, welchem
die Bezeichnung durch eine Nummer noch nicht beigelegt
worden ist, weil er noch zur Zeit weder in dem
Ortsbürger-Register noch in der Steuerliste erscheint,
bei einem Beamten der freiwilligen Gerichtsbarkeit
einen Eigenthums- oder Hypothektitel über Immobilien
aufnehmen lässt, so hat der instrumentirende
Beamte im Eingange des Actes einen solchen
Comparenten in nachstehender Weise zu bezeichnen:
„Vor uns (N.N.) Großherzoglichem Notar erschienen:
- Carl Joseph, Sohn des Christian Mayer III, Privatmann
zu X., welcher eine Nummer in Gemäßheit
der Verordnung vom 27. November
1832 noch erhalten zu haben erklärt;
- ......
2. Die Großherzoglichen Steuer-Commissäre in Gemeinschaft
mit den Großherzoglichen Bürgermeistereien
setzen unter Beifügung ihrer Namensunterschriften
in dem Mutations-Verzeichnisse dem wie
oben erwähntbezeichneten neu zugehenden
Grundsteuerpflichtigen vor Überschreibung der betreffenden
Objecte in der Rubrik: „Bemerkungen“ diejenige
Ordnungsnummer in Worten bei, welche diese
Steuerpflichtigen nach den bestehenden Vorschriften
nunmehr erhalten und diese Unterscheidungsnummer
ist demnächst auch in dem
Grundbuche dem Namen des Erwerbers beizufügen.
3. Bei jeder Bürgermeisterei soll ein eingebundenes
Buch zum Zweck des Eintrags und der Feststellung
der Unterscheidungs-Nummer gleichnamiger Ortsbürger
geführt werden, welchem die nachstehend
ersichtliche Einrichtung zu geben ist.
| Ord.Nr. | Namen | Bezeichnung nach Abstammung/Gewerbe | Bemerkungen |
| 1 | xxxx | xxxxxx | xxxxxxx |
Um bei dem Beispielnamen Scholl zu bleiben, werden die Eintragungen
exemplarisch aufgeführt:
| Vorname | Beizeichen | Sohn/Tochter von | gestorben/verzogen |
| Johann | I | Johann sen. | verst. 1799 |
| II | Philipp Wilhelm | verst. 1868 |
| III | Johann I | verst. 1878 |
| IV | Peter I | nach Oberrad verzogen |
| V | Philipp Jakob | gest. 1863 |
| VI | Johann I | verzogen nach Bingen |
| VII | Johann II | gest. 1869 |
| VIII | Johann V | nach Sprendlingen verz. |
| IX | Mathias II | gest. 1918 |
| X bzw. I | Philipp Jakob II | gest. 1943 |
| II | Johann IX | gest. 1951 |
| Katharina | I | Wilhelm | — |
| II | Johann VII | — |
| III | Philipp Jakob II | verst. 1890 |
| IV | unbekannt |
| Mathias | I | Philipp Wilhelm | verst. 1855 |
| II | Johann II | verst. 1882 |
| Philipp Jakob | I | Peter I | verst. 1866 |
| II | Mathias | verst. 1886 |
| Peter | I | Johann sen. | verst. 1850 |
| II | Peter I | verst. 1869 |
| III | Peter II | nach America ausgewandert. |
| IV | Philipp Jakob I | verst. 1915 |
| V | Peter IV | verst. in Horrweiler 1922 |
| Wilhelm | I | Mathias II | nach O-Hilbersheim verz. |
| II | Phil. Jakob II | nach Ebernburg verzogen. |
| Wilhelmina | I | Phil. Wilhelm, Ehefrau von Peter Becker II. | |
| II | Mathias II, dto. von Jakob Becker IV. | |
| III | Phil.Jakob II, dto. von Phil Rothenmeyer. | |
Frieder Hothum |