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Die Dorfschelle
Nummer 23 - Ausgabe Dezember 2005
Ein Brief eines Auswanderers mit Aspisheimer Wurzeln
Marshalltown, Feb 16, 1896
Liebe Cousine,
ich weis nicht ob ich Dir einen Brief schuldig bin oder nicht, habe aber schon lange nichts von Euch gehört, so will ich den Anfang machen.
Wir sind soweit noch alle gesund und hoffe auch dasselbe von Euch. Die Zeiten sind hier ziemlich schlecht gewesen, das letzte Jahr, hoffen aber dass es besser wird. Denn die Arbeit war rar und es gab sehr viel Bettler, auch vielleicht viele Faulenzer darunter, in den großen Städten war es natürlich viel schlimmer als hier. Denn Iowa wird als einer (der) besten und fruchtbarsten Staaten der Union gerechnet. Die Ernte war auch ausgezeichnet, aber der Preis so niedrig, dass die Farmer, die nicht dazu gezwungen sind, keine Frucht verkaufen.
Wir hatten einen sehr milden Winter, soweit er nicht noch kommt, denn hier haben wir oft das kälteste Wetter ausgangs Februar und im März. Der Winter aber war sehr ungesund, hatten sehr viele Krankheiten und auch Sterbefälle hier.
Wie geht es Deiner lieben Mutter, ist noch recht gesund und Onkel Johann und Peter und alle Deine Geschwister.
Carrie wohnt noch in Chicago, auch unterrichtet sie noch immer, denn sie hat so eine gute Bezahlung, dass sie es nicht gerne aufgibt, nämlich US Dollar 85 für (den) Monat.
Nelli wohnt auch noch dort, Emma ist noch immer auf ihrer alten Stelle in St. Paul, hat es auch sehr gut, war auch die Feiertage zu Hause gewesen. Ich bin auch noch immer auf derselben Stelle, könnte auch vielleicht lange suchen eine bessere zu finden (damit).
Habt ihr noch immer Verkehr mit den Oberingelheimer Verwandten und wie geht es ihnen alle.
Du wirst wohl denken, ich bin ein rechtes Fragezeichen, aber ich möchte doch gerne wissen, wie es Euch alle geht. Wie schade, dass auch gar niemand von Euch nach der großen Ausstellung nach Chicago kam, es war aber auch recht großartig und Deutschland hat sich glänzend hervorgetan, nur war alles so sehr teuer. Ich wollte nur ein kleines Andenken aus der deutschen Porzellan-ausstellung kaufen, es sollte klein und hübsch sein, auch war es der letzte Tag, so suchte ich eine kleine Tasse, war wohl recht schön und meinte, die würde ich gerne haben, aber was denkst Du was der dafür forderte ?
US Dollar 16, sechzehn Dollar, habe sie nicht gekauft.
Ich will nun schließen in der Hoffnung bald von Dir zu hören. Grüße alle Verwandten von mir
Dein Cousin S.S. Wasem
(Marshalltown liegt ca. 450 Km Luftlinie westlich von Chicago am Michigan See zu Illinois)
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