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Die Dorfschelle
Nummer 23 - Ausgabe Dezember 2005
Das Aspisheimer Weistum von 1491
Keinen Geringeren als den Gebrüdern Jakob und Wilhelm Grimm, eher als Verfasser von Grimms-Märchen bekannt, vor allem Wilhelm, ist die Herausgabe eines Bandes zu verdanken, in dem die Rechtsgewohnheiten der Bürger gegenüber den Ortsherren und umgekehrt auf gut 900 Seiten erfasst wurden. So ist u. a. auf den Seiten 800 – 803 das Weistum zu Aspizheim mit der Datierung 1491 . 1500 dargestellt mit der Anmerkung:
„Gaupizheim, im nordosten von Alzei; der anfang scheint zu mangeln“. Es fehlt also der Anfang.
Franz-Joseph Spang, Verfasser der Festschrift zur 1200-Jahrfeier im Jahre 1968, schrieb zu dem Begriff Weistum:
Das Grundwörtchen ist wizzan = kund tun; althoch-deutsch wis = wissen, z. B. einen eines Dinges wis tuon = einen eines Dinges (Sache) wissend machen.
Was dem Volk, den Bürgern (Leibeigene im Falle Aspisheim) wissend gemacht werden sollte, hatte man in einem besonderen Buch aufgezeichnet. Bei Gerichtstagen oder anderen Gelegenheiten wurde mit der Glocke das Volk auf den Dingplatz bzw. vor das Rathaus zusammengerufen. Dabei wurden dann auch die entsprechenden Stellen des Weistums, die sich auf die aktuelle Sache bezogen, durch Vorlesen kund getan, weis, wissend gemacht.
So ist auch die Sprachregel zu verstehen, jemand den Weg weisen oder die mundartlich Sprachregel: Waart noor, deer werr ich’s weise.
Die meisten Weistümer sind im 14. Jahrhundert entstanden, zu der Zeit also, als die Grafen von Montfort die Ortsherren von Aspisheim waren. Im Jahre 1430 verkaufte Friedrich von Montfort die Rechte an den Pfalzgrafen Friedrich III. Es ist davon auszugehen, dass das Weistum von 1491 aus pfälzischer Zeit (bis 1945 im Staatsarchiv in Darmstadt, durch Kriegseinwirkungen vernichtet) eine Vorgängerin mit den verschiedenen Anpassungen hatte und 1491 renoviert, d.h. grundlegend im Sinne einer Neufassung errichtet wurde.
WEISTHUM ZU ASPIZHEIM
1491 . 1500
(Der Anfang fehlt)
Item wer do fahs legett unngeeicht, die er verkauffen will, eS sey ein ohm oder darüber, der hatt verprochen ein gülden der gemein.
Item ist zu wissen, daz der gemeinen grabenn seind abgesteinet innwendig unnd auhswendig, unnd seind mit dem gerichts und rath gesteinett wordenn und jglicher stein stehet zehen ruten vonn einannder.
Item wer do holtz sprocket in dem gemeinen dorffgraben, der hatt verprochen der gemein ein pfund heller.
Item jeder mann sall einen schornsstein habenn jnn seinem haus, unnd were dez nitt hatt, der hatt der gemein verprochenn ein pfund heller.
Item es ist auch ein ordtnung hie, wann einer sein feuer nitt verwaret, daz es schadenn thutt, der ist der gemein verfallen fünf güldenn und stet jnn unnsers genedigstenn herrn straff.
Item ist auch verbotten welcher auser dorff stro, boesenn, schaub oder mist verkaufft. der ist verprochen der gemein ein pfund heller, unnd soll für unnserm genedigstenn herrn verfallen sein.
Item es ist auch ein gebott der gemein, alhs vom gemeinen haus wegen, daz niemannd soll nachts darinn prechenn, oder die stub wermen vonn der gemeinen holz jnn dem grabenn, es were dann von geheihs dehs gerichts oder der gemein. Auch soll niemandts jn denn grabenn gehenn holz hauenn ohne orlaub. Auch sall niemandts nachts darin sizen uber acht aueren, unnd wen mann darin findet der soll der gemein verprochen sein drei Schilling heller.
Item ob gemeltes haus unnd stub ist gefreiet vonn der gemein, wer einen heiset liegen, fluchet oder gröblich überfüre, alhs mitt handanlegung, der soll der gemeinn verfallen sein ein virtel weins unnd soll auch ernnstlich gehaltenn werdenn.
Item zu meines genedigenn lieben hern nottürfftigkeitt soll mann mitt der glockenn vier zeichenn leuttenn, unnd wer daz uberfüre und verachlt unnd nitt quem, der soll ann seinem leib unnd gutt gestrafft werden, vonn meines genedigsten Herrn wegen.
Item wer spiel hellt oder thutt, der soll gehalttenn und gestrafft werden uff leibs straff.
Item wer do durch unnd jn denn graben gehett, der stehett auch in meines genedigsten herrn straf unnd ist der gemein vor ein pfund heller verfallen.
Item wem etwas mitt rechtt verbotten wird vonn dem schultheissen oder gerichtt unnsers genedigsten herrn, unnd auch der verbotten urtheil unnd rechtt überganngen ist, oder einer ein pfand vor gerichtt eingesetztt hatt, unnd daz verbott verachtt unnd überfüre, der sall an seinem leib und gutt gestraflt werden von unsers genedigsten herrn wegen.
Item wer ist ein büttel und meines genedigstenn herrnn knecht, unnd wahs jne ein schultheihs heist von meines genedigstenn herrn wegen unnd auch der gemeinen, daz sall er füderlich thun uff libsstraff.
Es ist zu wissen aller meniglich, daz durch den rath unnd gemein obgemeltt mitt Cordian Ziemer von Dromersheim überkommen ist, alhs umb den pfuel über den gudennborn, daz die gemein gerechtigkeit hatt darüber zu eichen wan sie daz vonnötten haben unnd bedörffen, darin soll sich niemannd weigern oder wehren.
Geben und geschehen uff sant Pangratius tag anno dausend fünffhundert (12. Mai 1500).
Item es soll auch keiner frauen oder magd kein grahs uff dem pfuel zu weschen zugelahsen werden.
Item wer do besetzt ist mit leitern unnd die nitt hett, ist verprochen der gemein drey Schilling heller.
Item ist auch geordtnet vnnd gebottenn, ob einer ein haus wol verleihen oder verkauften einem frembden, daruonn soll er geben der gemein zu burgerrechtt fünf gülden, unnd unnserm genedigsten herrn ein gülden.
Item ist auch ein gebott der gemeinen wann ein mennsch voon diesem Jammerthal verschiede, es sei junckg oder alt, arm oder reich, so sollen die drei nechsten menner oben unnd unnden den toden leichnam fürderlich ohne einigen manngel begraben, unnd wer daz gebott übertrette, der hatt verprochen der gemein drey Schilling heller, die sallen verdrincken die gehorsam unnd bei dem begrabnus sein gewest.
Item ein nacht einigung mitt einem pferd zu weiden, ist gesetzt, unnd sall geben sechs schilling heller, unnd sollen der schützen halb sein.
Item ein nachteinigung mitt leuten, mann oder frauen, knecht oder magd ist geseztt zehen schilling unnd sollen der schützen halb sein. Item ein genhseinigung ist ein Schilling heller. ltem ein draubeneinigung ist ein gülden. Item der Fruchtt schneidet jst die einigung ein gülden. Item ein nus unnd obseinigung ist ein gülden.
Item ein wieseneinigung jnn tag mitt pferden oder leutten ist zehen schilling heller; ists aber in der nacht, so ist die einigung zehen Schilling.
ltem welcher holz sprocket oder abhauet ist ein gulden.
Item ein gebott mitt rath der gemein, wissen unnd willen, unnd haben zu mehrer Sicherheit unnd behalt dieser hernach beschriebenen erbärn menner alhs von weinkauffen der ehelichen Ieutten, die sich uber kurtz oder lanng veranndern werden zu der ehe jn der gemein zu Aspisheim, mitt nahmen: Bernhard schultheis, Heintzen Hoffmann, Hanns Schneider, Dorhs Martin, Clehsgen Reb, Potter Redlich, unnd Clehs Klopperdran, unndt habenn auch vorter bekanntt inn gegennwertigkeitt des rats, daz ein lediger knecht sollt geben der gemein vor ein weinkauff ein güldenn zu uerdrinckenn. Item ein magd ein halben güldenn, und ein widtmann ein halben gülden unnd ein wittfrau ein orttsgülden zu vertrincken der gemein. Geschehen im jar vierhundert neuntzig einhs (1491).
Item alle obgeschriebene puncten unnd articul sollen von einem jglichen fürderlich gehaltten werden uff gutt und leibhs straff, und wahs der schultheihs einem jeglichen bescheid, soll er fürderlich thun, und ob einer daz überfüre unnd veracht, soll der schultheihs jnen fürpringen uff die ayd und gelübde die er meinem genedigsten herrn gethan hatt.
Item ist man mitt ernst überkommen alhs von den gebotten vorgenanntt unnd vonn jglichem besonnder, welcher oder wer der verprech, unnd nit hiellt, wie vorgeschrieben stehet, so sollen die geschwornen eicher die jetzunder seind oder hernach zu künfftig werden, dieselben ubertretter der gebott uff malstatt zu pfennden haben unnd solches nitt hinderlahsen, uff’ daz solche gebott gehallten unnd gehanndhaht werden. Wan sie daz nitt thetten, sollen sie die geschwornen eycher die einigung geben.
ltem ist ein gebott meines genedigsten herren, was die gebott der gemein seintt daz sollen die geschwornen eicher enden unndt pfennden, unnd were es sach, daz sich etliche vonn solcher pfenndung wereten unnd widerstanndt thetten, so sollens die ei-cher an den schultheihsen pringen, der soll jnen leutt geben, so viel daz sie jenen pfenden mogenn, darzu soll der schultheis denselben annpringen meinem genedigen herrnn daz er auch gestrafft werde und der schultheis sall nit verbunden sein zu pfenden bei den geschwornen eicher.
ltem es halt auch die gemein eine freiheilt jnn jrem gemeinen graben, denselbigen mitt holz unnd allem jn der gemein zu geprauchen, desenn auch hinwiderumb darin zu bauen, bessern und zu hanndhaben.
(Offenbar fehlt auch der Schluß –Personennennung-)
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