Die Dorfschelle
Nummer 24 - Ausgabe Dezember 2006
Tannengeflüster
Wenn die ersten Fröste knistern
in dem Wald bei Bayrisch-Moos,
geht ein Wispern und ein Flüstern
in den Tannenbäumen los,
ein Gekicher und Gesumm,
ringsherum.
Eine Tanne lernt Gedichte,
eine Lärche hört ihr zu.
Eine dicke alte Fichte
sagt verdrießlich: Haltet Ruh!
Kerzenlicht und Weihnachtszeit
sind noch fern, sind noch weit.
Vierundzwanzig lange Tage
wird gekräuselt, wird gestutzt
und das Wäldchen ohne Frage
wunderschön herausgeputzt.
Wer fragt: Wieso?, warum?
der ist dumm.
Was das Flüstern hier bedeutet,
weiß man selbst im Spatzennest;
jeder Tannenbaum bereitet
sich vor aufs Weihnachtsfest.
Denn ein Tannenbaum zu sein:
Das ist fein.
James Krüss
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