Die Dorfschelle
Nummer 27 - Ausgabe Dezember 2009
Erinnerungen von Issendorff-Murach
Kriegszeiten sind Notzeiten, bergen aber auch eine Vielfalt von Erinnerungen. So gelangte ein Schreiben vom 22. Juni 1987, gerichtet an den verstorbenen Altbürgermeister Wal-ter Murach, in den Besitz des Vereins mit einer Beschreibung der Ereignisse und des Aspisheimer Umfeldes während einer Einquartierung vom 27. Januar bis zum 6. März 1940. Absender war ein W. von Issendorff als damaliger Chef der 8. MG-Kompanie bzw. späterer Regimentskommandeur im Auftrag des ehem. Inf. Rgt. 58 mit folgendem Inhalt:
Den verehrten Bürgern von Aspisheim!
Von den Kameraden der ehemaligen 6. Kompanie des Infanterieregiments 58 erfuhr ich, dass sie den Bürgern von Aspisheim ein Memorandum überreichen möchten. Sie bitten mich als ehemaligen Kommandeur des Regiments um ein Wort des Grußes. Dem Wunsch komme ich gerne nach!
Als die 6. Kompanie seinerzeit vom 27. Januar bis 6. März 1940 in Aspisheim einquartiert war, befand sich mein Quartier als Chef der 8. MG-Kompanie in Ockenheim. Es kann keinem Zweifel unterliegen - und der Chef der 6- Kompanie, Hauptmann Baumann, hat mit das wiederholt bestätigt - , dass die Quartierleute von Aspisheim die Kameraden der 6. Kompanie eben so angenehm aufgenommen haben wie dieses die Bürger von „Ockenem“ für meine Kompanie taten.
Dass ich heute nach 47 Jahren darauf zurückkommen und im Namen der Kameraden der 6. Kompanie als deren späterer Regimentskommandeur den Bürgern von Aspisheim meinen Dank sagen darf, erfüllt mich mit besonderer Freu-de.
Ich rufe den Aspisheimern zu: Gott befohlen!
Bückeburg, den 22. Juni 1987
Ihr gez. Unterschrift
(von Issendorff)
In seinem Begleitschreiben führt er weiter aus:
Zwei Dinge möchte ich bei dieser Gelegenheit noch kurz ansprechen.
Die Unterbringung in Aspisheim war damals für alle Kameraden der 6. Kompanie des 58 Infanterie-Regiments 58 die angenehmste Zeit, die wir Soldaten in den Quartieren erlebten. Mir liegt daran, Ihnen dieses selbst nach so langer Zeit noch zu sagen.
Doch die “Horrweilerstraße“ bleibt für uns alle ein Horror. Als wir im Januar 1940 nach einem Nachtmarsch im Schneeregen von Kirn an der Nahe kommend die Bahnlinie (Gensingen-Horrweiler) erreichten, mussten wir Totalerschöpften die Gefechtsfahrzeuge die Steigung nach Aspisheim hinauf ziehen, weil die Pferde ausrutschten wegen Glatteis. Für die Strecke ab Kirn benötigten wir die gesamte Nacht; doch die kurze Strecke von Horrweiler nach Aspisheim dauerte 6 Stunden.
Ich wurde verwöhnt in einem Quartier (kleines Bauern-haus) im vorletzten Haus links der Straße nach Dromersheim. Stolz auf ihren Soldaten war eine kleine Tochter Hanna, der es nur aus meinem Kochgeschirr von der Feld-küche schmeckte. Wir haben uns alles geteilt.
Soweit die Zitate aus seinen Schreiben von 1987.
Bei dem vorletzten Haus nach Dromersheim in Verbindung mit der Namensnennung kann es sich in der damaligen Bebauung nur um das Anwesen Ehrhardt/Rusert handeln, damals Germaniastraße1(allerdings 4 Haus). Das älteste Kind war die Tochter Johanna, geboren am 31. Juli 1931, Tochter von Philipp Ehrhardt und seiner Frau Martha geb. Becker. Sie war damals also 9 Jahre alt und heiratete nach Appenheim bzw. später nach Worms.
Über die Begleiterscheinungen der immer wiederkehren-den Einquartierungen ist wenig überliefert. Zeitzeugen sind allerdings ehemalige einquartierte Soldaten, die später durch Heirat Aspisheimer Bürger wurden, wie z.B. der verstorbene Altbürgermeister
Walter Murach.
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