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Wappen Aspisheim

Weinbau

Allgemeine Beschreibung.

Das edelste Getränk, das uns die Erde zu schenken vermag, ist der Wein. Das hat den Grund, dass er mit der Geschichte des Menschen, dessen Kultur und religiösem Leben auf das engste verbunden ist.

"Dass aber der Wein von Ewigkeit sei, daran zweifl' ich nicht"

bekannte Johann Wolfgang von Goethe in seinem "Westöstlichen Diwan". Wer nun der erste Winzer der Welt bzw. der Menschheitsgeschichte war lässt sich leider nicht feststellen.

Alte Legenden berichten, Osiris habe die Rebe in Ägypten eingeführt, Saturn dagegen auf Kreta und Bacchus sei als der erste Rebenzüchter Indiens zu betrachten.

Die Bibel selbst ist ganz anderer Meinung. Sie berichtet, dass Noah, nachdem er die Sintflut in seiner Arche überstanden hatte, keine Lust mehr verspürte nur Wasser zutrinken, so lesen wir:

"... er ward ein Ackermann und fing an Weinberge zu pflanzen ...".

Der Blick in die Geschichte zeigt uns, dass es zwei, vielleicht drei Millionen Jahre lang nomadisierende Menschen gab, die als Jäger und Sammler ihre Nahrung fanden. Erst vor etwas mehr als zehntausend Jahren wurden diese sesshaft; einer der folgenreichsten Schritte der Menschheit. Wilde Arten "primärer Kulturpflanzen" wurden domestiziert, darunter u. a. Weizen und Gerste, Hirse und Reis, Soja und die Weinrebe. Die Weinrebe wurde wohl wegen ihrer Früchte angebaut. Niemand berichtet seit wann dies um des Weines Willen geschah.

Keltergeräte gehen bis in das 7. Jahrtausend vor Christus zurück; um 4000 v. Chr. kennen alle Länder von Mesopotamien bis Ägypten den Wein. Unerklärlich bleiben den damaligen Menschen die Wandlung des Rebensaftes in Wein und seine Wirkungen. Von Anbeginn wird daher der Wein den Göttern zugeordnet. Diese "religiöse" Bindung hat der Wein bis heute nicht abgelegt. Vom "Fruchtbaren Halbmond" (der erstreckte sich von Mesopotamien bis Ägypten) führt der Weg des Weines zu den Griechen, die Italien so nachhaltig für den Weinbau erschlossen, dass es "Weinland" (Oinotria) genannt wird. Der griechische Weinbau gelangt über Massilia (Marseille) nach Gallien und in das damals noch keltische Moselland.

Die Römer bevorzugten lange Zeit den griechischen Wein. Das änderte sich erst als sie die wirtschaftliche Bedeutung des Weins erkannten und wachten mit aller Strenge darüber, dass niemand ihrem Weinbau in die Quere kam. Römische Einflüsse machten sich bald darauf in "Germanien" bemerkbar; auch in Spanien, Ungarn und England ist die Weinkultur römischen Ursprungs.

Zu den deutschen Germanenstämmen selbst gelangt der WEIN zunächst nur als römisches Handelsgut. Weinhandel und Weinausschank wird mit großer Hingabe betrieben; u. a. wird aus dem lat. Wort für Schankwirt (caupo) das deutsche Wort Kaufmann gebildet werden.

Den größten Aufschwung nahm der Weinbau unter Karl dem Großen, der z. B. die dichten Wälder in der Rheinebene der Pfalz roden und mit Weinstöcken bepflanzen ließ; seine Erlasse und Maßnahmen waren für die Fortentwicklung der Weinbehandlung von großer Bedeutung. Wichtige weinbauliche Anweisungen sind in Capitulare de villis (der sog. Landgüter-Verordnung) enthalten.

In den folgenden Jahrhunderten förderte die Kirche den Weinanbau in Europa. Sie tat auch sehr viel für die Ausbreitung des Weinanbaues und dessen Kultur; die klösterlichen Weinberge sorgten nicht nur für die Deckung des Bedarfes an Messwein; Wein galt auch als Medizin und war als Getränk "reiner" und "sauberer" als das damalige Trinkwasser!

Im Mittelalter ging der Weinanbau durch den 30jährigen Krieg sehr stark zurück und erholte sich danach nur sehr langsam; die Weinanbaufläche schrumpfte sehr stark.

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts nahm der Weinbau in den klimatisch begünstigten Gebieten am Rhein und seinen Nebenflüssen neuen Aufschwung. Dies nicht zuletzt auch wieder durch die örtlichen Klöster, die auf die Anweisungen der römischen Agrarschriftsteller und ihre mittelalterlichen Erfahrungen zurückgreifen konnten.

Nach der Verweltlichung der Klosterbesitztümer zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es vor allem Adlige und Patrizier, die an die Stelle der Mönche traten. Das Fundament für den heutigen Standard des deutschen Weinbaues wurde letztlich von ihnen gelegt.

Und die Erkenntnis von damals:

"je begrenzter die Anbauflächen, desto besser wird die Qualität der Weine"

gilt auch heute noch.

Leider kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits der nächste katastrophale Rückschlag durch die Einschleppung der Reblaus mit amerikanischen Reben über England nach Frankreich. Von dort dehnte das Tier seine verheerende Wirkung dann auf die Weinberge Österreichs, Italiens und Deutschlands aus. Alle Bekämpfungsmaßnahmen erwiesen sich als erfolglos. Mit reblausresistenten Unterlagen konnten die Winzer dann Zug um Zug Ersatzpflanzungen vornehmen. Trotz aller Höhen und Tiefen ist der Wein ein Wirtschafts- und Kulturgut von hohem Rang geblieben.

Dichter und Künstler haben mit ihren Werken die Geschichte des Weines lebendig gehalten und unvergängliche Zeugnisse zu seinem Preis geschaffen. Die Aspisheimer Winzer pflegen Reben und Wein in der langen Reihe ihrer Vorväter, die sich über viele Jahrhunderte erstreckt. Dies nachweislich seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. - so im Lorscher Codex betr. einer Schenkung von Äckern und Weinbergen an das Kloster Lorsch durch eine Frau Rothlindis am 6. März 767 n. Chr. verzeichnet. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Weinbau bereits mit den Römern begann; nicht zuletzt aufgrund der in Aspisheim nachgewiesenen villa rustica (ca. zwischen 250 bis 275 n. Chr. erbaut). Hinzukommt, dass im Jahre 280 n. Chr. durch den römischen Kaiser Probus das Edikt von Kaiser Domitian von 91 n. Chr. aufgehoben wurde, das den Weinbau in den römischen Provinzen (nördlich der Alpen) verbot. Dieser von 276 bis 282 n. Chr. regierende (Soldaten-) Kaiser Probus gilt als Förderer des Weinbaus nördlich der Alpen, da er dort die Ansiedlung römischer Soldaten auf ertragreichem Gelände veranlasst. Die Römer bringen in die neuen Anbaugebiete passende Rebsorten, moderne Anbaumethoden und Kellertechniken. Viele noch heute übliche Bezeichnungen Wein (vinum), Most (mustum), Keller (cellarium), Winzer (vinitor) stammen aus der (lateinischen) Sprache der Römer.

Ein weiteres Indiz für den geschichtsträchtigen Weinbau in Aspisheim ist die wissenschaftlich nachgewiesene sehr frühzeitige fränkische Besiedlung, die durch ein Gräberfeld nachgewiesen ist, das in die Zeit der fränkischen Landnahme zwischen 500 und 600 n. Chr. fällt.

Die Aspisheimer Winzer bieten heute eine breite Palette von ausgezeichneten Sekten (hergestellt nach der "klassischen Methode") und superben Weinen an, die sie an Privatkunden, Gastronomie und Fachhandel vermarkten. Bei den Rotweinen sind dies fruchtige Früh- und Spätburgunder, St. Laurent, Dornfelder, Portugieser, Dunkelfelder und eine Reihe von Rotwein-Neuzüchtungen (Regent, Dakapo etc.); auch kräftige, tanninreiche, farbintensive, trockene Rotweine mit gekonntem Barrique-Ausbau werden angeboten. Neben den Klassikern Silvaner und Riesling finden sich bei den Weißweinen ganz besonders vorzügliche Weine der Scheurebe, die auf den hiesigen schweren Böden besonders gut gedeiht.

Beste Weißweinqualitäten liefern Müller-Thurgau (auch als Rivaner im Angebot), Grau- und Weißburgunder, Chardonnay, Kerner, Bacchus, Faberrebe, Huxelrebe, Morio-Muskat, Ortega, Optima und Siegerrebe. Diese Weine sind nicht nur hervorragende Trinkweine; mit passenden Speisen genossen bilden sie einen "kulinarischen Höhepunkt"!

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, was die Ärzte des alten Griechenlands schon wussten:

Mäßiger Weingenuss fördert die Gesundheit, vor allem bei Herz- und Kreislauferkrankungen - außerdem Lebensqualität und Wohlbefinden. Dies kann in unserer stressgeprägten Zeit gar nicht hoch genug eingestuft werden.

"Prosit! Auf gute Gesundheit!"

"In vino veritas" und andere Weisheiten rund um den Wein.